Auf ein Süppchen nach Armenien

Die veränderte Situation ist eine Chance, unser Verhalten jetzt nachhaltiger zu gestalten, auf klimatische Veränderungen zu reagieren, sozialen Zusammenhalt zu leben. Wir erkennen neu, wie wertvoll regionale kleinteilige Landwirtschaft ist. Daher bitten wir alle unsere LeserInnen, die Zutaten für die Rezepte möglichst fair, regional und bio zu besorgen.

 

Wir haben unsere Kolleginnen bei der Caritas Armenien, Flora Sargsyan und Armenuhi Mkhoyan, gefragt, was ihnen in diesen Tagen hilft.  

Flora Sargsyan: In Armenien ist es üblich, sich gegenseitig zu helfen, in der Verwandschaft, unter Freunden, Nachbarn, Arbeitskollegen, in der Gemeinde. So können Krisenzeiten gemeistert oder zumindest abgefedert werden. In der Nachbarschaft wird für ältere Menschen eingekauft, oder sogar im Haushalt mit Aufräumen und Kochen ausgeholfen.

Armenuhi Mkhoyan: In Armenien, und besonders in Gyumri, wo ich lebe, ist der Gemeinschaftssinn sehr stark, die Menschen sind stets bereit zu helfen. Ich weiß mich und meine Familie daher immer sicher, egal welche Schwierigkeiten daherkommen, wir haben immer Unterstützung vor Ort durch Nachbarn und Freunde, wie auch von Institutionen, die Unglaubliches geleistet haben in dieser Krise, wie etwa die armenische Caritas.  

Haben Sie in Armenien schon einmal eine ähnliche Krise erlebt?  

Flora: Wir Armenier haben in den letzten Jahrzehnten viele schwere Krisen überlebt, Naturkatastrophen und von Menschen verursachte. Viele Menschen mussten in der Folge auswandern und als außerhalb des Landes ihren Lebensunterhalt verdienen. Andere halten sich mit kleinen Betrieben über Wasser.

Armenuhi: Am 7. Dezember 1988 wurde Armenien von einem schweren Erdbeben überrascht.Nach offiziellen Zahlen gab es 25.000 Todesopfer, 19.000 Verletzte und rund 530.000 Menschen wurden obdachlos. 21 Städte und 324 Dörfer wurden völlig zerstört. Die Weltgemeinschaft hat uns damals sehr geholfen, um die Katastrophe zu lindern. Heute, 31 Jahre später, habe die meisten der damals obdachlos gewordenen ein Dach über dem Kopf. Daneben gibt es immer noch Familien die in temporären Behausungen und Hütten leben. 

Wie sind Sie mit Ihrer Familie in Kontakt?  

Armenuhi: Über soziale Medien, Emails und Videotelefonie bleibe ich mit meiner Familie, meinen Freunden und ArbeitskollegInnen in Kontakt. In Armenien ist man sich nah, wir besuchen uns oft und essen gerne miteinander. Besonders wichtig ist es jetzt sich um die älteren Menschen zu kümmern, um ihre Ängste zu zerstreuen und sie zu unterstützen wo sie Hilfe brauchen.

Wie leben Sie Ihren Glauben in dieser Zeit? 

Flora: Wer glaubt, kann immer und überall beten. Zu Ostern wohnten wir der Messe über Radio und Fernseher bei, so konnten wir neben angezündeten Kerzen auch gemeinsam beten. Gott segne uns alle in der Welt!

Armenuhi: Eine positive Haltung und die Verbreitung von Hoffnung in Gesprächen hat dazu geführt, mehr Helligkeit und Positives in diese Zeit zu bringen. Viele Dinge sind durch Corona gestoppt worden. Liebe und Glaube gehören nicht dazu.

In Armenien und in Tirol kochen wir derzeit öfter zu Hause. Was gibt es derzeit bei Ihnen?  

Flora: Klar, wenn man Zeit hat, überlegt man sich, was man Gutes für die Familie kochen könnte. Im Frühling bereiten wir ArmenierInnen gerne frische Salate zu. Die Zutaten wachsen bei uns in Hülle und Fülle. Sie sind gut fürs Immunsystem und allein ihr Anblick regt den Appetit an. Kräuter wie Dill, Petersilie, Koriander, Thymian, Rosmarin und Oregano gehören zum Standard in unserer Küche.

Armenuhi: Armenische Kochkunst ist eher komplex. Es werden viele Fleisch-, Fisch- und Gemüsegerichte gekocht. Wir lieben Gerichte mit Hackfleisch und alle Varianten von gefüllten Gerichten. Die Hauptzutaten sind jedoch immer Melanzani, Lamm und Lavash, das typische armenische Fladenbrot. Dazu wird oft geschroteter Weizen oder Bulgur verwendet. Eine typische armenische Suppen ist zum Beispiel Spas (Rezept siehe unten).

 

SPAS - Joghurtsuppe mit Weizen 

150g geschroteter Weizen, Bulgur oder Weizengraupen

Salz und Pfeffer

1 Ei

30g Mehl

800 ml Joghurt

1 große Zwiebel, fein gehackt

30g Butter

je 1 Bund frische Minze und Koriander, fein gehackt

Zubereitung: Getreide in ca. der doppelten Menge Salzwasser weich köcheln. Ei mit Mehl in einem Kochtopf verquirlen, Joghurt mit der gleichen Menge Wasser mischen, zur Eier-Mehl-Mischung geben und das Ganze bei niedriger Hitze unter Rühren zum Kochen bringen. Zwiebel in Butter braten und mit Getreide und Kräutern zur Suppe geben, mit Salz und Pfeffer würzen und kurz aufkochen. 

Wenn Sie mit Ihrer Familie essen, könnten Sie die Gelegenheit nutzen, um über Armenien zu sprechen. Weiß jemand wo das liegt (an der Grenze von Asien und Europa, zwischen Georgien, Iran Aserbaidschan und der Türkei)? Wie heißt die Hauptstadt (Jerewan)? Ist es größer oder kleiner als Österreich (Österreich ist dreimal größer)? Was isst man dort (siehe oben)?  Auch wenn er heute in der Türkei liegt, ist der Berg Ararat das Nationalsymbol Armeniens. Warum ist dieser Berg so berühmt (weil dort die Arche Noah gelandet sein soll)? Und so sagt man auf armenisch „Guten Appetit!“ (բարի ախորժակ sprich: bari axoržak)​ 

Möchten Sie die Arbeit der Caritas in Armenien unterstützen? Hier finden Sie mehr Information: https://www.caritas-tirol.at/hilfe-angebote/internationale-hilfe/unsere-projektlaender/armenien/ 

Foto: Armenischer Markt (E. Haun)