"Wie geht es weiter?" - Salzburger Hochschulwochen 2022 eröffnet

Renommierte Sommeruniversität heuer vom 1. bis 7. August - Erzbischof Lackner: Warnung vor vorschnellen Antworten angesichts tiefer gesellschaftlicher und kirchlicher Spaltungen und Verunsicherungen - Haslauer: "Feuerwerk an Nachdenklichkeit" - Dürnberger: Wissen bleibt "instabiler Goldstandard menschlichen Zusammenlebens"

Universitäten sind nicht nur Orte des Wissenserwerbs, sondern auch Orte der Debatte über Fragen der Zukunft: Diese doppelte Funktion und Aufgabe steht heuer im Fokus der "Salzburger Hochschulwochen", die am Montag in der Mozartstadt eröffnet wurden. Bis 7. August stellen renommierte Referentinnen und Referenten aus Theologie, Philosophie, Soziologie und anderen Wissenschaftszweigen in Vorträgen, Workshops und Diskussionen sich der Frage "Wie geht es weiter? Zur Zukunft der Wissensgesellschaft". Auf die Dringlichkeit dieser Frage verwiesen in ihren Eröffnungsworten u.a. Erzbischof Franz Lackner, Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Hochschulwochen-Obmann Martin Dürnberger und der Rektor der Universität Salzburg, Hendrik Lehnert.

Die letzten zwei Jahre hätten nicht nur in der Gesellschaft Spaltungen sichtbar werden lassen und vermeintliche Wissensbestände infrage gestellt. Auch in der Kirche sei man an einem Punkt gelandet, "wo vielerorts die Konsensfähigkeit brüchig geworden ist und Orientierung verloren gegangen ist", so der Salzburger Erzbischof. Die vielfältigen Krisenphänomene - Krieg, Klima, Fluchtbewegungen - würden alle gleichermaßen erfassen und auch die Kirche nicht unberührt lassen. In dieser Situation sei ein neues aufeinander Hören gefordert, wie es Papst Franziskus mit seiner Vision eines Synodalen Prozesses einmahnt. Zugleich gelte es, sich vor "100-prozentigen letztgültigen Antworten zu verabschieden", so Lackner. Nur gemeinsam seien die Krisen zu bewältigen.

"Feuerwerk an Nachdenklichkeit"
Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer würdigte die Hochschulwochen als eines von vielen Highlights im Salzburger Sommer, der heuer u.a. mit den Festspielen, aber auch mit anderen großen Tagungen und Veranstaltungen ein "Feuerwerk an Nachdenklichkeit" biete und sich einmal mehr als ein "feiner Seismograf der kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung" erweise. In eben dieses Bild passe auch das "bemerkenswerte Programm" der Hochschulwochen, die "den Finger genau auf offene Fragen der Gesellschaft" lege. Schließlich erscheine die Gesellschaft "dystrophobisch-widersprüchlich", insofern einem nie da gewesenen Wissen eine ebensolche Orientierungslosigkeit zur Seite stehe; Globalisierung und Mediatisierung auf der einen Seite, Wurzelsuche und Medienskepsis auf der anderen Seite; Freiheit hier, wachsende Intoleranz dort; Sinnsuche hier, Kirchenaustritte dort. 

Universitäts-Rektor Hendrik Lehnert würdigte die Bedeutung der Hochschulwochen nicht nur als Keimzelle der Universität Salzburg, sondern als Ort eines gediegenen Diskurses über "die Fragen der Zeit". Wenn sich die Universität als gesellschaftliche "Speerspitze" verstehe, dann in dem Sinne, dass sie dazu beitragen wolle, die "ungeahnte Volatilität der Gesellschaft" zu überwinden, so Lehnert.

Wissen bleibt "Goldstandard des Zusammenlebens"
Der Obmann der Salzburger Hochschulwochen, Prof. Martin Dürnberger, verwies auf die drängende Aktualität des Hochschulwochen-Themas: Diese liege nicht nur durch die vielfältigen Krisenphänomene auf der Hand, sondern sie gewinne durch eine wachsende Wissenschaftsskepsis noch an Bedeutung. "Wenn Verschwörungstheorien genauso viel Hausrecht in öffentlichen Debatten für sich reklamieren wie wissenschaftlich generierte Erkenntnisse, dann gerät ja nicht bloß die Universität unter Druck - sondern dann werden ganze Demokratien in ihrem Innersten angefressen." 

Wissen sei zwar als ein "instabiler Goldstandard menschlichen Zusammenlebens" zu verteidigen - zugleich aber gelte es festzuhalten, dass nicht die Universitäten bzw. die Wissenschaft über zukünftige Formen des Zusammenlebens entscheiden könnten, sondern dies immer noch Ergebnis umfassenderer Meinungsbildungs- und Diskursprozesse. "Es sind nach wie vor die Gesellschaften selbst, die sich etwa darauf verständigen müssen, welche Klimapolitik sie mit welchen Mitteln umsetzen wollen."

Anwesend waren bei der Eröffnung außerdem der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz, der Erzabt von St. Peter, Korbinian Birnbacher, sowie der Rektor der Päpstlichen Hochschule Sant'Anselmo der Benediktiner in Rom, P. Bernhard Eckerstorfer.

Umfangreiches Programm
Höhepunkte der Hochschulwoche sind u.a. die Verleihung des renommierten "Theologischen Preises", der heuer am 3. August an den Ordensmann Br. David Steindl-Rast vergeben wird, ein moderiertes Künstlergespräch mit dem heurigen "Jedermann", Lars Eidinger, sowie ein Sommerfest samt Talk-Runde mit dem Salzburger Erzbischof Franz Lackner und Rektor Hendrik Lehnert am 4. August im Bischofsgarten. Fortgesetzt wird außerdem die Erfolgsreihe "Benedictine Banter" mit zwei jungen Mönchen sowie die mehrtägige Workshop-Reihe für Studierende unter dem Titel "Theologian in Residence" mit der Bonner Theologin Cornelia Dockter. 

Zu den Neuerungen zählt eine erstmals angebotene englischsprachige "Crossculture Religious Studies SummerSchool" statt. Die englischsprachige Summerschool unter der Leitung des Salzburger Religionswissenschaftlers Prof. Martin Rötting will besonders junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich religionsbezogener Forschungen vernetzen. Das Projekt wird von einer Kooperation von Universitäten aus Haifa, München, Seoul, Nairobi, Yogyakarta und Salzburg getragen.

Den Abschluss der Hochschulwoche bilden ein Gottesdienst im Salzburger Dom am 7. August mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und ein anschließender Akademischer Festakt in der Universitätsaula. Den Festvortrag wird heuer der Münchner Soziologe Armin Nassehi halten.

Tradition seit 1931
Die "Salzburger Hochschulwochen" fanden 1931 zum ersten Mal statt. Ihr Ziel ist es, ein universitäres, interdisziplinäres Forum zu bilden, in dem sich die Theologie dem Dialog über aktuelle Fragen mit säkularen Wissenschaften stellt. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Salzburger Äbtekonferenz der Benediktiner, dem Katholischen Hochschulwerk Salzburg, der Görres-Gesellschaft, der Katholischen Akademikerverbände Deutschlands und Österreichs sowie dem Forum Hochschule und Kirche der Deutschen Bischofskonferenz organisiert. Seit sechs Jahren sind die Hochschulwochen eine Veranstaltungsreihe der Theologischen Fakultät und als solche integriert in die Universität Salzburg. (Infos: www.salzburger-hochschulwochen.at

 

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