Zum bunten Adler - Bei uns wird "gastfreundschaft" groß geschrieben

Die Themen Flucht und Asyl sind derzeit in aller Munde. Seien es die Obergrenze bzw. der Richtwert, der geplante Zaun am Brenner oder Ängste und Vorurteile. Auch Kinder und Jugendliche lässt diese Thematik nicht kalt. Grund genug um sich dieser Sache in einer Fortbildungsveranstaltung zu nähern. Über 40 junge Menschen die mit Kindern und Jugendlichen in Tirol arbeiten, trafen einander am vergangenen Wochenende im Jungscharhaus in Mutters zum Jungschar- und Jugendforum 2016 unter dem Motto „Zum bunten Adler – Bei uns wird 'gastfreundschaft' groß geschrieben".

Die Katholische Jungschar und Jugend der Diözese Innsbruck organisieren jährlich in Kooperation mit der youngCaritas Tirol diese Fortbildungsveranstaltung. Im Rahmen eines Planspiels der „Plattform Rechtsberatung“ konnten die TeilnehmerInnen in einem Rollenspiel erfahren, wie Asylansuchen in Österreich ablaufen. Sie bekamen dabei einen umfassenden Einblick in das komplexe Rechtsystem. In einer Reflexion wurden Detailfragen zum Asylverfahren geklärt. „Ich war erschüttert, wie hilflos und ohnmächtig ich in der Rolle als Asylwerber war“, so Matthias Seidl, einer der Teilnehmer. „Man kann sich den Stress in einem Erstaufnahmezentrum wohl kaum vorstellen“, meint Eva Tollinger, die eine Beamtin mimte.

Einblick in Lebensgeschichten, die in Verbindung mit Flucht und Asyl stehen

In Gesprächsgruppen erfolgte ein Austausch der Erfahrungen und Standpunkte – auch mit Menschen mit Migrationshintergrund. Kidane berichtete von seinem Lebensweg, der ihn von Äthiopien nach Österreich führte. Carolin gewährte einen Einblick in ihre Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen. Lisa und Murat erzählten von den Freuden und Herausforderungen ihrer österreichisch-türkischen Beziehungsgeschichte.

Zum Tagesabschluss setzten sich die TeilnehmerInnen mit dem Thema Flucht in der Bibel auseinander und gestalteten dazu einen Gottesdienst mit Jungschar- und Jugendseelsorger Wolfgang Meixner.

Anti-Stammtischparolen-Training

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Fragen „Was können wir konkret tun?“ Und „wie kann es in unsere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einfließen?“ In drei Workshops konnten die TeilnehmerInnen ein Anti-Stammtischparolen-Training der katholischen Jugend absolvieren oder sich Praxistipps für ihre Arbeit mit Kindern von der Jungschar oder mit Jugendlichen von der youngCaritas geben lassen. „Es war faszinierend festzustellen, wie leicht man selbst in die Falle tappt und zur Verbreitung von Gerüchten und Vorurteilen beiträgt“, gesteht Maria Rhomberg. „Da müssen wir uns alle bei der Nase nehmen.“

Aktion mit Botschaften für den Weltflüchtlingstag

Zum Abschluss des Jungschar- und Jugendforums bereiteten die Teilnehmer die Aktion „Leben retten“ vor (lebenretten.sternsinger.org). Die Kernbotschaft der Aktion lautet: Wir wollen nicht, dass Menschen auf der Flucht im Mittelmeer sterben. Dazu gestalten Kinder und Jugendliche Holzplanken mit Botschaften und Wünschen. Diese werden zu einem Boot zusammengebaut und am 20. Juni 2016, dem Weltflüchtlingstag, Politikern in Europa übergeben werden.

 

„Wir sind mit der Veranstaltung und den positiven Rückmeldungen sehr zufrieden“, bemerkt Evi Kusstatscher, eine der verantwortlichen Organisatorinnen. „Alle waren sich einig, dass jede und jeder Einzelne etwas verändern kann. Eine Basis dazu haben wir mit dem diesjährigen Forum gelegt.“