Innsbruck: Stift Wilten will sozial verträgliches Asylquartier

In den Verhandlungen um die Errichtung eines Flüchtlingsquartiers in Innsbruck pocht das Stift Wilten als möglicher Grundstücksgeber auf ein "sozial verträgliches" Konzept.

"Wir bekennen uns klar zur Flüchtlingshilfe, da diese zum christlichen Kernauftrag gehört. Vor der Vertragsunterzeichnung soll aber gesichert sein, dass die vor Ort lebenden Menschen eingebunden sind", erklärte Stiftssprecher Reinhold Sigl am Montag auf "Kathpress"-Anfrage. Gespräche dazu mit dem Flüchtlingsquartier-Betreiber Tiroler Soziale Dienste (TSD) seien für diese Woche angesetzt, ein Informationstreffen der TSD für den 29. Februar.

Konkret geht es um eine Fläche des im Südwesten Innsbrucks gelegenen Stadtteil Sieglanger, auf dem TSD laut Medienberichten ein Quartier für 290 Flüchtlinge errichten will. In den vergangenen Wochen hatte eine Bürgerinitiative Unmut dazu bekundet. Sigl bezeichnete deren Vertreter als "sehr besonnen" und zeigte Verständnis für das Anliegen: In Sieglanger gebe es bereits ein Flüchtlingsheim für 70 Menschen, das zuletzt auf 140 Plätze aufgestockt wurde. Dieses funktioniere zwar gut, die Bevölkerung dürfe aber nicht überfordert oder übergangen werden.

Mit dem Angebot von drei Grundstücken zur Unterstützung der Flüchtlinge an die TSD hatte das Stift Forderungen verbunden. Darunter ist u.a. eine Quote für die vorrangige Aufnahme von Flüchtlingsfamilien statt nur von Männern, die Vorlage eines transparenten Betreuungskonzeptes, das auch Ansprechpartner für die Bevölkerung vorsieht, sowie regelmäßige Informationstermine für alle Beteiligten, um einen konstruktiven Gedankenaustausch und ein Kennenlernen zu ermöglichen. Angeregt wurde zudem ein Beirat, in dem auch die Anrainer vertreten sind und der bereits an den Vertragsverhandlungen teilnimmt.

Stiftssprecher Sigl verwies auf die Vorgeschichte der Ortswahl für Sieglanger: Schon zu Beginn der Flüchtlingskrise vor einem Jahr habe das Stift dem Land Tirol Angebote für die Flüchtlingshilfe gemacht, darunter ein Gebäude im beim Stift gelegenen Gewerbegebiet St. Bartlmä, die jedoch vorerst abgelehnt wurden. Als die Tiroler Sozialen Dienste (TSD) Ende 2015 um Unterstützung anfragten, habe das Stift drei mögliche Grundstücke kostenlos angeboten.

Der Grund in Sieglanger sei dann letztendlich vom Innsbrucker Stadtsenat ausgewählt worden, so Sigl, wobei die weitere Planung der TSD dann bisher ohne Rücksprache mit der Bevölkerung vor Ort und den Grundstücksgeber geschehen sei. Das Angebot des Stiftes auf die beiden anderen Grundstücke stehe allerdings weiterhin offen. Ziel der Verhandlungen ist es, sozial verträgliche Lösungen zu finden.

 

Bereits bisher ist Stift Wilten laut Sigl aktiv in der Flüchtlingshilfe engagiert, u.a. in der Betreuung der über 300 Flüchtlinge, die in unmittelbarer Nachbarschaft in einer Tennishalle leben: "Viele Freiwillige leisten permanente Unterstützung mit Kleidung, Schuhen und Essen und bieten im Stift Deutschkurse an, mit dem Ziel der Integration." Im Dezember kamen 300 Flüchtlinge zu einer "Weihnachtsfeier" in die Stiftskirche mit Abt Raimund Schreier, dessen Gedanken auch auf Arabisch und Farsi übersetzt wurden. (KATHPRESS)