Beim Essen kemmen die Leit zamm

Anna Radtke berichtet über eine Schneeschuh-Wanderung des Seelsorgeraumes Mittleres Wipptal mit Menschen aus Syrien.

An einem Freitagabend im Feber auf einer Schneeschuhwanderung; organisiert vom Seelsorgeraum Mittleres Wipptal. Mit dabei ein paar Syrer, Syrer auf Schneeschuhen. Sie stolpern seltener als ich. Als sich die Wolkendecke für ein paar Minuten lichtet, scheint der Mond über einem felsigen Berggipfel (mit wenig Schnee). „Da gehen wir rauf“ sage ich zu einem. Er schaut mich an, dann grinst er und sagt: „Sie machen Spaß, glaube ich.“ Und wir müssen lachen. Wenig später auf der Peeralm essen wir Wuchteln und er erzählt mir, dass er Elektrotechnik studiert hat, in Damaskus. Der ältesten Hauptstadt der Welt. Deren Mauern gerade einstürzen, und die Kultur mit in den Abgrund ziehen. „Und trotz Studium hast du keinen Job gekriegt?“ frag ich. „Nein, weil in meinem Pass steht, dass ich Kurde bin.“ „Nur deswegen?“ „Ja, nur deswegen, bist du Kurde, bist du nichts. Außer du hast Verbindungen.“ Ich frage mich was es eigentlich genau bedeutet Kurden_sein… Ich muss dringend meinen Horizont erweitern – zum Beispiel beim Begegnungsfest in Matrei am 19. März. Denn jeder Flüchtling hat eine Geschichte. Und beim Essen kemmen die Leit zåmm. Vor allem im Wipptal.