Glettler: Gott hat einen Masterplan für jeden von uns

Die Diözese Innsbruck setzt verstärkt Akzente in der Berufungspastoral. In einer Pressekonferenz am 25. Juni erzählten Frauen und Männer von ihrer Berufungsgeschichte.

Was ist Berufung? Sind alle berufen? Was will Gott von mir? Wie erkenne ich meine Berufung? In einem Pressegespräch erzählten Menschen verschiedener spiritueller Einrichtungen ihre Berufungsgeschichten und ermunterten jeden, sich die Frage nach einem sinnerfüllten Leben zu stellen.

Gleichzeitig stellte die Diözese Innsbruck Ausbildungswege für geistliche Berufe und einige Initiativen in der Berufungspastoral vor. Die einzige Priesterweihe in diesem Jahr im Gebiet der Diözese Innsbruck empfängt der Prämonstratenser Leopold Jürgen Baumberger am Sonntag, 30. Juni 2019 um 15 Uhr in der Stiftskirche Wilten. Auf die Diözese Innsbruck wird 2019 kein Priester geweiht.

 

Glettler: Gesellschaft braucht „burning persons“ 

Bischof Hermann Glettler: „Unsere Gesellschaft braucht „burning persons“, Menschen, die ein Plus an Engagement, an Aufmerksamkeit, an Nähe zum Menschen zeigen. Um diese Menschen zu gewinnen, braucht es auch eine berufungsfördernde Mentalität, damit Menschen sich dafür entscheiden können, mit angemessener Radikalität sich ganz in die Nachfolge Jesu hineinzustellen.“

Glettler weiter: „Gott hat einen Masterplan für jeden von uns. Ihn zu erkennen und zu bejahen, liegt in unserer Freiheit. Dieser Plan ist nie fertig, sondern hängt von unserer Mitarbeit und von unserer geistlichen Beweglichkeit ab.“

 

Buemberger: Priester muss kein Alleskönner sein 

Roland Buemberger, Regens des Priesterseminars Innsbruck-Feldkirch, sieht das Priesterseminar als offene Einrichtung: „Die Ausbildung spielt sich nicht abseits der Gesellschaft oder im Geheimen statt, sondern mitten im Leben der Menschen. Ein Priester soll verbunden sein mit dem ganzen Volk Gottes.“ Buemberger zum Profil eines Priesters: „Man muss kein Alleskönner sein als Priester, sondern ein Teamplayer, der Charismen in anderen Menschen entdeckt und fördert. Der Priesterberuf ist ein schöner und sinnvoller Weg, mit den Menschen zu leben und den gesamten Lebensweg von der Geburt bis zum Tod zu begleiten.“ Im Priesterseminar in Innsbruck leben Seminaristen aus den drei Diözesen Innsbruck, Feldkirch und Linz. Das Haus wurde ursprünglich für 100 Seminaristen gebaut, derzeit leben zehn Seminaristen im Haus.

 

Leopold Jürgen Baumberger OPraem: Rate jedem, etwas im Leben zu wagen 

Leopold Jürgen Baumberger OPraem wird am Sonntag, 30. Juni im Stift Wilten zum Priester geweiht. Er erzählt: „Ich habe immer eine Unruhe in mir gespürt, ob der Priesterberuf ein Weg für mich sein könnte. Ich habe Pharmazie studiert, aber immer wieder ist die Sehnsucht nach dem Priesterberuf in mir aufgebrochen. Schließlich habe ich den Schritt gewagt und bin in das Priesterseminar in Innsbruck eingetreten. Ich kann nur jedem mit auf den Weg geben, etwas im Leben zu wagen, auch wenn man sich noch nicht ganz sicher ist. Wichtig ist, dass man das, was man tut, mit Herz macht. Da ich als Priester kein Einzelkämpfer sein will, habe ich mich für das Ordensleben entschieden.“

 

Hannes Dreml: Irgendwann war klar, ich muss in meinem Leben etwas verändern 

Der Zillertaler Hannes Dreml berichtet von einem durchwachsenen Weg bis zum Eintritt ins Priesterseminar: „Ich war von Kindheit an mit der Kirche in Kontakt, bin von meinen Eltern oft in die Kirche mitgenommen worden. Ein erster Funke hat damals schon in mir gebrannt. Ich habe die Lehre zum Einzelhandelskaufmann gemacht und zwölf Jahre in einem Betrieb gearbeitet. In dieser Zeit war ich stets mit Kirche verbunden als Ministrant, Lektor und Mesner. Der Priesterberuf selbst ist aber in den Hintergrund gerückt. Irgendwann aber wurde mir klar, dass ich in meinem Leben etwas ändern muss.“

Dreml weiter: „Aber auch dann hat es noch ein Jahr gedauert, bis ich dem Regens des Priesterseminars eine E-Mail geschrieben habe. Diesen Schritt zu wagen habe ich keinen einzigen Tag bereut, obwohl es nicht immer geradeaus gegangen ist. Und wenn sich einmal herausstellen sollte, dass es nicht der richtige Weg war, dann habe ich es wenigstens versucht.“

 

Sr. M. Katharina Margreiter: Ordensleben hat nichts an Aktualität verloren 

Sr. M. Katharina Margreiter, Dominikanerin aus Lienz, erzählt über ihre Entscheidung: „Der Dienst in der Kirche hat mich immer schon angesprochen und fasziniert. Ich habe die Schule der Dominikanerinnen besucht und die Schwestern kennen gelernt. Ich hatte meine Berufung zwar im Hinterkopf, war mir aber nicht sicher, weil ich auch nicht so fromm war. Als ich dann eine Zeit lang im Kloster mitgelebt habe, hat mich das Ordenscharisma sehr angesprochen und ich war mir sicher, das ist mein Platz. Ich lebe jetzt seit 10 Jahren im Kloster und kann sagen, diese Entscheidung hat für mich gepasst.“

Sr. M. Katharina Margreiter stellt fest: „ Das Ordensleben hat für mich nichts an Aktualität verloren, die Botschaft Gottes ins Heute zu übersetzen. Ich will jungen Menschen Mut machen, diesen Schritt zu wagen und hinein zu schnuppern in das Leben in einem Kloster.“

 

Miriam Novais da Silva: Evangelium wurde zur Quelle meines Lebens 

Miriam Novais da Silva erzählt von ihrem Leben in einer Laienorganisation: „Ich bin Zahntechnikerin und lebe in der Gemeinschaft der Fokolarbewegung. Mit 17 Jahren verspürte ich den Wunsch, mit Menschen zu leben, die mich inspirieren und die die Botschaft des Evangeliums im Alltag leben. Das Evangelium wurde zur Quelle meines Lebens und inspirierte meine Beziehung zu den Menschen und zu Gott. Entscheidend ist, Gott den ersten Platz im Leben zu geben. Jeder Mensch ist berufen, Gottes Liebe zu bezeugen. Das größte Geschenk für mich ist, mein Leben mit Gott zu gehen.“

 

Propädeutikum: Nachspüren, ob der Priesterberuf der richtige Weg ist 

Irene Blaschke ist seit 2018 Präfektin des Propädeutikums in Linz. Sie ist begeistert für ihre Arbeit, denn ihr Herz hätte immer schon für Priester- und Ordensberufungen gebrannt. Blaschke: „Das Propädeutikum für angehende Priesterseminaristen ist ein Jahr für die Berufungsklärung durch das Gemeinschaftsleben, das gemeinsame Gebet, Persönlichkeitsbildung und Bibelstudium. In diesem Jahr können die jungen Männer nachspüren, ob der Priesterberuf der richtige Weg für sie ist. Wichtig ist uns in der Ausbildung vor allem die Einübung eines geistlichen Lebens mit regelmäßigem Gebet und der Feier der Eucharistie. Durch ein Sozialpraktikum sind die jungen Männer auch sehr nah am Menschen und seinen Nöten.“

 

Diözese Innsbruck verstärkt Angebote in der Berufungspastoral 

Regens Roland Buemberger, zugleich auch Beauftragter für Berufungspastoral in der Diözese Innsbruck, berichtete über die verstärkten Angebote für geistliche Berufungen. So werde es, wie schon bisher, regelmäßige Berufungstage für junge Menschen geben. Der nächste Tag findet bereits am kommenden Sonntag, 30. Juni. im Bischofshaus in Innsbruck statt. Anmeldungen sind noch möglich.

Die Diözesen Innsbruck und Bozen-Brixen laden junge Erwachsene zur Teilnahme an einem Orientierungsjahr ein. Unter dem Titel „einfach LEBEN“ können jungen Menschen zwischen 18 und 38 Jahren an einem Jahr des Suchens und der Orientierung teilnehmen. Die TeilnehmerInnen werden begleitet und verbringen monatlich ein thematisches Wochenende miteinander.

Informationen und Anmeldung: Roland Buemberger, Beauftragter für Berufungspastoral der Diözese Innsbruck, Tel. 0676/8730-4700 oder Mail roland.buemberger@dibk.at

Erzählten, wozu sie sich berufen fühlen: Vordere Reihe v. li.: Miriam Novais da Silva, Sr. Katharina Margreiter, Leopold Jürgen Baumberger. Hintere Reihe: Hannes Dreml, Bischof Hermann Glettler, Irene Blaschke und Roland Buemberger. Foto: Sigl