Aktuelles Statement der Diözese Innsbruck zur Frage:

Stand: 7. Februar 2022

Austritt wegen Impfpflicht?

Mit dem Inkrafttreten der Impfpflicht erreichen die Debatten um die Angemessenheit der Covid-Verordnungen einen neuen Höhepunkt. Leider nennen Gläubige immer öfter die staatliche Maßnahme als Grund, die katholische Kirche zu verlassen. Wir möchten im Folgenden die am häufigsten an uns herangetragenen Fragen und Vorwürfe benennen und eine Antwort versuchen. Unser Dank gilt allen, die mit Geduld und wirklichem Hinhören die Ängste und Bedenken der Menschen ernst nehmen, Beiträge zur Klärung leisten und niemanden aufgrund seiner Meinung ausgrenzen.

Warum haben die Bischöfe nicht gegen die Impfpflicht gekämpft?

Zu beurteilen, ob eine Verpflichtung zur Covid-Schutzimpfung verordnet werden muss oder nicht, liegt nicht bei den Bischöfen. Die österreichische Bundesregierung und das Parlament haben dies mittlerweile entschieden. Die Bischöfe bleiben bei einer Impfempfehlung – nicht mehr und nicht weniger. In allen Debatten vergessen wir bitte nicht, dass das Für und Wider zur Impfung keine Glaubensfrage ist! Die unterschiedlichen Zugänge und Meinungen dürfen uns nicht als Menschen entzweien oder als Gläubige trennen. Ebenso hat das Pro und Contra zur Impfpflicht nichts mit der Kirchenmitgliedschaft zu tun.

Im Klartext: 

Die Bischöfe haben sich nicht für die Impf-Pflicht ausgesprochen, auch wenn sie mehrmals eine Impf-Empfehlung abgegeben haben. Es geht uns um die Balance zwischen den Freiheitsrechten des Einzelnen und der Sorge um das Gemeinwohl.

Wieso setzt man sich von kirchlicher Seite nicht stärker für Benachteiligte ein?

Vorwürfe dieser Art gibt es von allen Seiten. Sowohl Geimpfte als auch Ungeimpfte fühlen sich in ihrer Freiheit beeinträchtigt und durch das Verhalten der Gegenseite benachteiligt. Die österreichischen Bischöfe haben sich am 6. Dezember 2021 eindringlich gegen jede Form von Verunglimpfung ausgesprochen (www.bischofskonferenz.at/erklaerungen/impfen) und um eine Abrüstung der Worte und Gesten gebeten. Wichtig ist, dass wir uns auf allen Ebenen um eine neue Gesprächskultur bemühen. Zuhören ist heilsam. Verschiedene Meinungen müssen respektiert werden.

Im Klartext: 

Nur der Respekt vor unterschiedlichen Standpunkten kann ein friedliches Zusammenleben sichern. Wir alle, Geimpfte und Ungeimpfte haben die Pflicht, einen persönlichen Beitrag für das Gemeinwohl zu leisten.

Warum waren die Kirchen während des Lockdowns geschlossen?

Diese Behauptung trifft nicht zu. Die Kirchen waren zu keiner Zeit während der Pandemie geschlossen. Bischof Hermann Glettler hat sich bereits beim ersten Lockdown im März 2020 dafür eingesetzt, dass Kirchen als Ort der „seelischen Nahversorgung“ offenbleiben. Gerade in den Zeiten des Lockdowns wurden Kirchen, Kapellen, Friedhöfe, etc. von vielen Menschen in großer Zahl aufgesucht. Deutlich eingeschränkt wurde für gewisse Zeit die Möglichkeit zum realen Mitfeiern der Gottesdienste vor Ort, um die Gefahr einer breiten Infektion einzudämmen. Viele haben in dieser Zeit die „mediale“ Teilnahme an Gottesdiensten über Radio, Livestream und TV schätzen gelernt.

Im Klartext: 

Die Kirchen in Tirol waren während des Lockdowns offen. Das Mitfeiern der Gottesdienste ist längst wieder für alle möglich – auch für Ungeimpfte. Herzliche Einladung! Die einzige Voraussetzung ist das Tragen der FFP2-Maske.

Schließen die Pfarrgemeinden Ungeimpfte aus?

Nein! Über das gottesdienstliche Angebot hinaus wurden in vielen Pfarren Initiativen gesetzt, um Menschen auch in den kritischen Phasen zu erreichen. Es gab kreative Ideen für Nachbarschaftshilfe, zu den großen Festen spezielle Angebote für Familien und vor allem auch eine reiche Palette spiritueller Impulse im Online-Bereich. Nicht zu vergessen: Die Einrichtung der Telefonseelsorge (Tel. 142) war während der gesamten Pandemie für viele belastete Menschen lebensnotwendig. Zuhören und Trost sind gefragt. Ganz selbstverständlich war auch die Caritas ohne Unterbrechung für Menschen in Not erreichbar – mit Obdachloseneinrichtung, Sozialberatung, Familienhilfe, u.v.m..

Im Klartext: 

Die Kirche macht keinen Unterschied, ob jemand geimpft ist oder nicht. Selbstverständlich müssen jedoch staatliche Vorgaben von allen eingehalten werden.

Die Sterbenden wurden alleingelassen.

Die Covid-Pandemie brachte gerade am Anfang sehr viel Verunsicherung mit sich. Die Krankenhäuser und Pflegeheime waren bemüht, BewohnerInnen, PatientInnen und Personal vor lebensgefährlichen Infektionen zu schützen. Auf der anderen Seite erlebten es viele sehr schmerzhaft, den eigenen Angehörigen in der schwierigsten Phase nicht beistehen zu können. Unsere Seelsorger/innen waren jedoch während der gesamten Pandemie – auch auf den Intensivstationen – mit großem Einsatz präsent. In den Alten- und Pflegeheimen konnte dieser Dienst leider während des ersten Lockdowns nicht überall aufrechterhalten werden. Unmittelbar danach haben wir uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass Seelsorge in Krankenhäusern und Pflegeheimen erlaubt bleibt.

Im Klartext: 

Während aller Lockdowns waren unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Krankenhäusern vor Ort. Wenn sie zu Sterbenden gerufen wurden, standen sie diesen auch bei.

Wieso wird im Wiener Stephansdom geimpft?

Manche können das Impfangebot in der Seitenkapelle des Stephansdoms nicht verstehen. Dieses „Angebot“ zu kritisieren, ist jedem überlassen, sollte aber nicht der Grund für einen Kirchenaustritt sein. Diese Aktion der Wiener Dompfarre war der Versuch, die Bevölkerung für das Impfen zu gewinnen und damit einen Beitrag für das Gemeinwohl zu leisten. Hinter dieser Impfaktion steht jedoch nicht „die“ österreichische Kirche insgesamt. 

Im Klartext: 

Nicht jede Aktion, in welcher Diözese auch immer sie stattfindet, sollte als Kriterium für die persönliche Kirchenzugehörigkeit ausschlaggebend sein. In Tirol versuchen wir mit einem breiten Angebot von Seelsorge, Pfarraktivitäten und anderen Initiativen für alle Menschen da zu sein.

FAZIT: 

Die vergangenen zwei Jahre haben uns allen viel abverlangt. Mit Sicherheit kommt auch eine Zeit nach der Pandemie, wo die aktuellen Debatten verklungen und uneingeschränkte Begegnungen wieder möglich sein werden. In jedem Fall möchten wir als katholische Kirche Tirols weiterhin für viele Menschen Heimat sein. Falls Sie mit uns persönlich kommunizieren wollen, schreiben Sie bitte an kommunikation@dibk.at. Wir werden uns um eine rasche Antwort bemühen.