Stimmen zur Amazonien-Synode

Die Amazonien-Synode bewegt auch viele Menschen in der Diözese Innsbruck.
Wir haben Frauen und Männer gebeten, ihre Hoffnungen und Gebetsanliegen für die Synode zu formulieren.  

Leidenschaft und Verantwortung

Die Welt ist in einem bedrohlichen Ungleichgewicht. Unsere konsumorientierte Lebensweise hängt mit der systematischen Zerstörung von Lebensgrundlagen in anderen Weltgegenden zusammen. Alles bedingt sich. Das Amazonasgebiet ist seit langem schon Opfer rücksichtsloser Ausbeutung durch international agierende Konzerne. Bischof Erwin Kräutler hat uns wiederholt davon berichtet. Diese prekäre sozio-ökologische Situation zwingt uns zum genauen Hinschauen, Benennen des Unrechts und zu einem konsequenten solidarischen Handeln. Letztlich wird es auch auf die Bereitschaft zur nachhaltigen Veränderung unseres Lebensstils ankommen.

Gemäß dem Wort Jesu sind wir als Christen Licht und Salz dieser Welt. Was bedeutet das für die konkrete Mission der Kirche? Die unterschiedlichen Regionen mit ihren spezifischen kulturellen Traditionen und aktuellen Problemen verlangen nach neuen Antworten. Es braucht ein gemeinsames Hören, Beraten und dann auch den gläubigen Mut zu Entscheidungen. Der Glaube an die Kraft des Evangeliums öffnet uns dafür die Sinne, den Verstand und das Herz. Wir können und wollen weltweit voneinander lernen. Der Segen Gottes möge die Vorbereitungen für die Synode in Rom begleiten und schließlich auch alle Teilnehmenden mit seiner inspirierenden Kraft erfüllen.

Bischof MMag. +Hermann Glettler  

Bildnachweis: Bernhard Aichner

Für eine bunte und offene Kirche

Ich hoffe auf eine bunte, herzliche und offene Kirche, in der Aufgaben und Verantwortungen - unabhängig von Geschlecht und Familienstand - nach Interesse und Kompetenz übertragen werden. Von der Amazonien-Synode erhoffe ich mir Beschlüsse, die der Kirche erlauben in diese Richtung zu wachsen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Synode ist die Ausbeutung und Umweltzerstörung Amazoniens. Die Kirche genießt ausreichend mediales Interesse auf weltweiter Ebene, um die Verantwortung für dieses existenzielle Thema zu vertiefen. Ein engagiertes Aufzeigen der Probleme Amazoniens und deren weltweiten Verflechtungen, kann viel bewirken. Wir alle sind selbstbestimmte Konsumenten und letztendlich reagiert die Wirtschaft auf unsere Nachfrage – ändern wir diese, so ändern sich auch wirtschaftliche Vorgehensweisen.

Mag. Pia Netzer, Pfarrgemeinderats-Obfrau Innsbruck-Kranebitten 

Basisorientiertes Lernen

Es ist ein starkes Zeichen, dass Papst Franziskus eine regionale Synode „nach Rom holt“ und ihr damit viel Aufmerksamkeit schenkt. Geht es doch um Fragen, die nicht nur Amazonien, sondern die ganze Welt und die ganze Kirche betreffen. Mit den Verantwortlichen einer – im Blick auf die ganze Erde – kleinen Region können wir einen Lernweg gehen, immer zurückgebunden an die Erfahrungen an der Basis.

Ich wünsche der Synode, dass sie mit offenen Augen und wachem Herzen auf die schwierigen Fragen und Herausforderungen schaut und mutig Wege in die Zukunft vorschlägt. Ich bete dafür, dass ein Schub an ernsthafter Schöpfungsverantwortung die Welt erfasst und dass pastorale Denkunmöglichkeiten die notwendigen Veränderungen nicht blockieren.

Msgr. Mag. Jakob Bürgler, Bischofsvikar für missionarische Pastoral 

Geist und Mut

Ich setze große Hoffnungen in die Amazonas-Synode:

Zum ersten Mal wird eine Synode an der Schnittstelle Kirche-Glaube-Ökologie abgehalten: Damit ist Leben und Glauben ganz eng verwoben. Soziale und wirtschaftliche Fragen, Umwelt und Mitwelt brauchen spirituelle Grundhaltungen und Orientierung: Lebensfragen sind Glaubensfragen. Und umgekehrt. Und nicht nur am Amazonas.

Für die Kirche erhoffe ich einen mutigen Schritt in der Öffnung der Zulassungsbedingungen zum Weiheamt vor allem auch für Frauen. In der Praxis wird schon ein großer Teil der Gemeinden am Amazonas von Frauen geleitet. Es ist Zeit, dass das kirchliche Lehramt eine Bestätigung dieses bewährten Dienstes durch eine offizielle Legitimierung möglich macht.

Ich wünsche den Synoden-Teilnehmern den Mut zu erkennen, was der Heilige Geist heute den Gemeinden sagt und an Begabungen und Charismen schenkt.

Ich bete um den Heiligen Geist auch für die Synode, damit Bewegung in festgefahrene Themen kommt.

Mag. Elisabeth Rathgeb, Seelsorgeamtsleiterin   

Wirken für den Wandel

Die Amazoniensynode zeigt die Dringlichkeit des Systemwandels auf, es braucht einen Paradigmenwechsel im sozialen, ökologischen und kirchlichen Dimensionen. Vom globalen Süden können die Europäer*innen lernen, wie über die Verbundenheit Kraft und Mut für ein neues Miteinander lokal und global gestaltet werden kann. Die Achse der Weltkirche ist ein Seismograph für die existentielle Dringlichkeit der Veränderung, das Leben auf Kosten anderer entspricht nicht der Botschaft Jesu. Wirke für den Wandel, heilige Ruach!

Dr. Sibylle Auer, Bereichsleitung Caritas Auslandshilfe und Fachstelle Welthaus 

Verantwortung für Gottes Schöpfung

Mir ist bewusst, dass mit der Amazonien-Synode nicht von heute auf morgen die Dringlichkeit der Problematik hinsichtlich des Regenwaldes und der Ökologie in kürzester Zeit bewältigt werden kann. Dasselbe gilt auch für den Lebensraum der indigenen Völker sowie für die seelische Versorgung und Verkündigung des Wort Gottes. Trotzdem ist es ist ein großartiger und unverzichtbarer Schritt in die Zukunft – nicht nur für Amazonien, sondern für uns alle.

Ich glaube fest daran, wenn die Menschen vor Ort spüren dürfen, dass ihr Lebensraum, ihre Heimat, ihre Tradition zu einem weltweiten Thema geworden sind, sie neuen Mut und Hoffnung bekommen und so auch ihr Land, mit allem was dazugehört, existieren kann. Jeder von uns kann dazu beitragen, die Schöpfung Gottes zu achten und bewusst auf so manches zu verzichten. Wir alle können und müssen uns unserer Verantwortung, nicht nur vor unserer eigenen Tür, sondern im globalen Ausmaß stellen und diese überzeugt und mit Taten umsetzen und leben.

Leonhard Hofer, Pfarrgemeinderats-Obmann der Pfarre Neustift 

Frischer Atem für die Welt

Als Mitteleuropäer bin ich mir der Versuchung bewusst, die Amazonien-Synode mit unseren Fragen und Antworten zu überlagern. Das wäre eine Wiedererweckung jener Ungeister, die historisch durch den Kolonialismus dem lateinamerikanischen Kontinent geschadet haben. Ich werde aufmerksam hinhören, wie die gesellschaftliche und kirchliche Lebenswirklichkeit der Menschen der Amazonasregion zur Sprache kommt. 

Der Amazonas als „Lunge der Welt“ (20 Prozent der Weltsauerstoffproduktion) steht symbolisch für eine tiefe Verbundenheit aller Weltgegenden. In Politik und Weltwirtschaft reduziert die vorherrschende neoliberale Brille die ganze Schöpfung auf Kosten und Nutzen. Ich wünsche der Amazonien-Synode, dass sie eine nicht zu überhörende Stimme für die Würde der Amazonasregion und seiner Völker - und damit für die EINE Welt - erhebt. Wenn als Nebenprodukt auch kirchliche Überlebensfragen mutig behandelt werden, umso besser.

Mag. Bernhard Teißl-Mederer, Dekanatsassistent Fügen-Jenbach 

Concientización - Bewusstsein schaffen

Als ich vor 50 Jahren in die Mission nach Ascención de Guarayos im Amazonastiefland von Bolivien ging, gab es nur eine Flugverbindung dorthin. Von der heutigen Metropole Santa Cruz flog man gut eine Stunde – nur über Regenwald. Ich sah aus dem Fenster des Flugzeugs, und alles war grün, nur Bäume bis zum Horizont. Voller Erstaunen darüber rief ich meiner Mitschwester zu: „Ja, aber Schwester Lioba, da kann doch gar niemand mehr wohnen, da gibt’s ja nur Wald!“

Heute sieht es dort anders aus. Wo früher tiefster Urwald war, liegen heute Weideflächen für Rinder und Monokulturen für den Anbau von Soja, Mais und Sorghum zur Mischfutterproduktion großer Konzerne. Die Felder werden nur mit Maschinen bearbeitet, für den kleinen Mann bleibt nichts. 

Ich bete für einen achtsamen Umgang mit der wertvollen und fruchtbaren Erde. Mein Wunsch für die Synode ist , dass es ein Aufwachen gibt, das zu Aufforstung und concientización führt, zur Schaffung von Bewusstsein für die Wichtigkeit von Amazonien für uns Menschen. Am besten wir beginnen bei der Jugend.

Sr. Andrea Schett, Tertiarschwestern des Heiligen Franziskus, Ascension/Bolivien  

Bien vivir – bien hacer

Gutes Leben und gutes Tun. Für ein gutes Leben aller.

Dieses Motto habe ich mir von der Weltkirche.tagung, die heuer von 19.-20. Juli im Schloss Puchberg bei Wels stattgefunden hat, mitgenommen. Sie stand unter dem Titel Amazonien – spirituell Wandel gestalten. Was sind also meine Hoffnungen, die ich mit der Amazoniensynode verbinde?

Ich habe mir mitgenommen, dass „der Hut brennt“. Und ich hoffe für „meine Kirche“, die ich so sehr schätze, aber an der ich auch in gleichem Maße leide, dass sie sich hier bewegt. Meiner Meinung nach sollte diese Bewegung aus der Vergangenheit lernen und im Lichte der gemachten, in jüngster Zeit sehr schmerzvollen, Erfahrungen eine Bewegung nach vorne sein. Ich wünsche mir von der Kirche, dass sie die Zeichen der Zeit sieht und im Lichte des Evangeliums darauf Antwort gibt; weil sie ihrer Bezeichnung einer ecclesia semper reformanda alle Ehre machen möchte.

Dass das Amazonasgebiet, die grüne Lunge der Welt, eine klimaregulierende Funktion hat, ohne die uns in einigen Jahren das Atmen zunehmend schwerfallen wird, ist ein Zeichen der Zeit. Dass wir den Regenwald wegen seiner Edelhölzer für den Weltmarkt abholzen und die Bodenschätze schamlos ausbeuten, ist ein Alarmzeichen.

Die im Amazonasgebiet lebenden Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage und stehen vor dem Nichts, wenn die Ausbeutung dieser Region so weitergeht. Diese nüchterne Analyse soll uns Menschen weltweit zum Handeln motivieren. Deshalb finde ich es auch so wichtig, dass sich die Katholische Kirche dieser Region annimmt und sie in den Fokus der Welt rückt.

Wirtschaftliche Ungerechtigkeit und ein Machtgefälle zwischen Europa, Nordamerika und „dem Rest“ der Welt, werden uns dabei klar vor Augen gestellt. Stephan Neuner nimmt in seinem Bericht in der Oktober-Ausgabe der Stadt Gottes, der Zeitschrift der Steyler Missionare, darauf Bezug, wenn er auf Seite 9 schreibt: „Europa betont den Schutz von Fauna und Flora am Amazonas, nachdem die eigenen Felder abgeholzt wurden. Die Kritik aus Lateinamerika ‚Ihr lebt vollklimatisiert auf Kosten der anderen und fordert zur Rettung des Weltklimas von uns, auf jegliche Entwicklung zu verzichten‘, ist nicht von der Hand zu weisen.“

Wir hängen heute voneinander ab. Mein Tun, meine Art des Einkaufens, die Wahl meiner Verkehrsmittel hier in Österreich – all das hat Auswirkungen auf die Menschen „im globalen Süden“, ob ich das will oder nicht.

Ich glaube, dass Jesus das gemeint hat, wenn er uns in Johannes 17,21 sagt: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ Dieses Eins-Sein mit den Bedrängten und Marginalisierten dieser Welt ist für mich eine missionarische Grundhaltung, die uns alle zu einer umfassenden „ökologischen Bekehrung“ einlädt. Wir sind auch eingeladen in der Natur, in den Tieren und Pflanzen Mitgeschöpfe zu sehen, die ebenso wie viele Menschen weltweit ums Überleben kämpfen müssen. – Der kapitalistischen Zwang nach immer mehr und einer immer größeren Gewinnspanne hält uns vor Augen, dass die „Grenzen des Wachstums“ (Titel eines Buches von Dennis Meadows 1972, veröffentlicht als Bericht zur Lage der Menschheit) 47 Jahre nach der Erscheinung des Buches wirklich zur realen Option geworden sind.

Ich sehe auch in der Katholischen Kirche solche Grenzen des Wachstums, allein wenn man den Priestermangel betrachtet, der in Amazonien und Europa zwar unterschiedliche Gründe hat, aber in beiden Regionen Leiden verursacht. Menschen erfahren die Eucharistie immer seltener als „Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens“ (LG 11). Wenn uns das als Kirche nicht zu denken gibt und zum Handeln auffordert, dann entziehen wir dem Glauben seine eigentliche Grundlage.

Und so traue ich mich zu hoffen, dass sich bei dieser Synode zumindest für die Region Amazonien beim Zugang zu den Weiheämtern etwas bewegen wird. Es werden kleine Schritte sein, aber ich möchte hoffen und darauf vertrauen, dass sie gegangen werden und auch auf andere Teile der Welt ausstrahlen!

Ich bete für Papst Franziskus und alle Teilnehmenden an dieser Synode, dass sie in dieser so wichtigen Zeit die Kraft und Führung des Heiligen Geistes spüren dürfen.

  

Sr. Christina Blätterbinder SSpS, Steyler Missionsschwester