Spitalskirche Innsbruck

Das Künstlerduo SUSI POP greift in der Spitalskirche in der Maria-Theresien-Straße in Innsbruck mit einem imposanten Werk das Thema Flucht und Migration auf.

Spitalskirche, Maria-Theresien-Straße, Innsbruck 

Werke von SUSI POP (D), Thomas Locher (D), Hans Andre (A) und Zlatko Kopljar (geb. in Bosnien-Herzegowina, lebt in Zagreb) 

Petrus Canisius, der katholische Reformator im deutschsprachigen Raum und zugleich selbst schärfster Kritiker der damals vorherrschenden Missstände in der Kirche, arbeitete an einer intellektuellen und gleichzeitig populären Vermittlung des Glaubens. Diesem Anliegen stellt sich auch die ins Mittelalter zurückreichende Spitalskirche, die „Kirche im Herzen der Stadt“ Innsbrucks. Das mehrteilige Deckenfresko von Hans Andre, das nach einem Bombenschaden im II. Weltkrieg im Jahr 1962 entstanden ist, zeigt zwei Hauptthemen: die Herabkunft des Heiligen Geistes und die Bergpredigt. Die beiden zentralen Felder werden gerahmt von Darstellungen der Werke der Barmherzigkeit, die den Inhalt der Lehre Jesu verdeutlichen sollen. Die ausgestellten zeitgenössischen Werke antworten auf diese spirituelle Vorgabe.

Das Künstlerduo SUSI POP greift mit einem imposanten Werk das Thema Flucht und Migration auf. In einer Eins-zu-Eins Übertragung des 1816 entstandenen „Floss der Medusa“, gemalt vom französischen Romantikers Théodore Géricault (1791–1824) werden die Betrachter mit einer der größten Herausforderungen unserer Zeit konfrontiert. Das höchst dramatische Szenario des Schiffbruchs und Untergangs von Flüchtenden auf Hoher See ist das an Aktualität nicht zu überbietende apokalyptische Schreckensbild unserer Zeit. Verdrängt und doch so nahe. Der durchgängige Magenta-Farbton der 28 Siebdrucktafeln taucht die Menge hilfloser Körper in ein schier unüberschaubares Chaos. Gibt es Rettung? Oder fällt das Elend der Gedemütigten unserer Zeit der „globalisierten Gleichgültigkeit“ (Papst Franziskus) zum Opfer? Wer sich auf das Geschehen einlässt, wird zumindest in eine persönliche Entscheidungs-situation gerufen. Welche Perspektive und Aussicht auf Rettung gibt es angesichts der vielen Bedrohungsszenarien unserer Zeit? Mit welcher Grundoption und nach welchem Geist leben? Möglicherweise bieten die beiden Kunstwerke über den Seitentüren der Kirche eine Antwort.

Thomas Locher verwendet Szenen des Judaskusses und der Fußwaschung aus den berühmten Fresken Giottos in Padua, in die er reliefartig eine Buchstabenfolge zur Kapitalzirkulation integriert: W-G-W (Ware-Geld-Ware) und G-W-G (Geld-Ware-Geld). Die beiden Tafeln sind über den Seitentüren einander gegenüber gestellt, weil sie eine wesentliche Alternative anzeigen: Zielt letztlich alles auf die Anhäufung und damit auf die Erhebung des Geldes zum göttlich erklärten Fetisch ab? Oder gibt es ein Vorwärts zu einem bewussten Umgang mit dem Verhältnis von Geld zur Ware und zum Mensch? Der Künstler regt unter dem Fresko der Bergpredigt eine Kapitalismus-Debatte an, die nicht aufgeschoben werden darf.

Zlatko Kopljar gibt seinen Fotografien immer ein performatives Element mit, das den konstruktiven Impuls seiner Arbeit betont. Der Künstler kniet sich auf den beiden großformatigen Fotoarbeiten im säkularen Umfeld nieder – auch vor dem Mekka des internationalen Finanzmarktes, der Wallstreet von New York. Seine einfache und doch so drastische Geste entwickelt eine ausdrückliche prophetische Nachfrage in unsere Zeit hinein: Wer und was beansprucht denn göttliche Verehrung? Die Anweisung des Ersten Gebotes aus dem jüdischen Dekalog kommt in den Sinn – ein Programm zum Schutz und zur Ermöglichung der eigentlichen Freiheit des Menschen.

Das Künstlerduo SUSI POP konfrontiert den Betrachter mit dem Thema Flucht und Migration. Foto: Diözese Innsbruck/Berger