Jesuitenkirche Innsbruck

In der Innsbrucker Jesuitenkirche ist unter anderem einen Gerechtigkeitsspirale von SUSI POP zu sehen, die an den Zusammenhang von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit erinnert.

Jesuitenkirche Innsbruck 

Werke von SUSI POP (D), Herbert Hamak (D) 

 

In der Innsbrucker Jesuitenkirche wird nach einem versöhnten Leben gefragt, das es nur in einem komplementären Zusammenspiel von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit geben kann. SUSI POP beantworten dies mit der Gerechtigkeitsspirale, eine 1510 von Erhart Falckner entstandene Textanordnung in Form einer Spirale, die den Ruf nach sozialer Gerechtigkeit und religiöser Redlichkeit zum Inhalt hat. Der Text der Tafel ist im Magenta-Farbton auf eine Leinwand gedruckt, die auf der Westseite der Kirche mit einer hinterlegten Holztafel dem Licht entgegengestellt wird. Der vollständige Text lautet: DIE GERECHTIKEIT LIT IN GROSER NOT - DIE WARHEIT IST GESCHLAGEN DOT - DER GLAVBEN HAT DEN STRIT VER LORN - DIE FALSCHEIT DIE IST HOCH GEBORN - DAS DVT GOT DEM HERN ZORN - O MENSCH LAS AB - DAS DV NIT WERDES EWIGLICH VERLORN - LOBT GERECHTIKEIT.

 

Der Gerechtigkeits-Tafel gegenüber findet sich das in derselben Re-Make-Technik  von SUSI POP gefertigte berühmte Gemälde „Die sieben Werke der Barmherzigkeit“. Es ist ein Meisterwerk von Caravaggio, das er für die caritative Einrichtung und Kirche „Pio Monte della Misericordia“ in Neapel geschaffen hat. Das Ziel dieser sozialen Institution zu Beginn des 17. Jahrhunderts war es, den Kranken zu dienen und den Bedürftigen zu helfen. Die „Werke der Barmherzigkeit“, in welcher Anzahl auch immer, haben nichts an Aktualität eingebüßt. Sie sind der Erweis dafür, dass wir füreinander Verantwortung übernehmen und einander menschlich begegnen sollten – nicht nur fordernd, anklagend und verurteilend. Im lateinischen Wort für Barmherzigkeit, „misericordia“, ist vom Herz des Menschen die Rede, das sich empathisch, einfühlsam und verwundbar zeigen kann. Deshalb ist nicht zufällig die ins Heute übersetzte Bildtafel auf der Seite des Herz-Jesu-Gelöbnis-Bildnisses angesiedelt. Das durch den Lanzenstich geöffnete Herz Jesu ist zur Quelle neuen Lebens geworden. Werke der Barmherzigkeit schaffen neues Leben.  

 

Einen anderen Akzent setzen die vielschichtigen Farb-Objekte von Herbert Hamak. Die Tafel über dem Eingang zur Krypta, wo wichtige Persönlichkeiten der Tiroler Kommunität begraben liegen, besteht aus gebundenen malachitgrünen Farbpigmenten, die sich infolge thermischer Einwirkungen während des Herstellungsprozesses stellenweise verändert haben. Das Format orientiert sich an der Gedenktafel in der Ignatius-Kapelle. Das Gemälde ist ein bescheidener Akzent von Leben, das nach Würde, Wertschätzung und ungebrochener Erinnerung verlangt. Die „Farbflickerl“ in den Fenstern der vier Kapellen, die temporären Ausbesserungen gleichen, machen je nach Betrachtung die Schönheit oder Verschmutzung des reinen Lichtes bewusst. Um Reinigung und Licht-Werden geht es in jedem Fall im Sakrament der Versöhnung, das in der Kirche erfreulicher Weise wieder stark nachgefragt wird.

Die Gerechtigkeitsspirale von SUSI POP in der Innsbrucker Jesuitenkirche. Foto: Diözese Innsbruck/Berger