Kommentar zum Sonntag – Der ungläubige Thomas

Kommentar zu Mk 1,12–15

Weil du gesehen hast, glaubst du.« Wenn man doch Beweise hätte, wenn man Gott oder Jesus sehen, hören, anfassen könnte. »Ich glaube nur das, was ich sehen kann.«

 

Wie geht glauben, an Gott, an Jesus glauben? Die Ostererzählungen in den Evangelien zeigen eine Richtung, wo es nicht darum geht, Gott beweisen zu können, ihn zu begreifen, ihn dingfest zu machen. Jesus sagt zu Maria Magdalena: »Halt mich nicht fest!« Die Emmausjünger erkennen ihn – und da ist er verschwunden. Und eben Thomas, der den Auferstandenen sehen, anfassen will. »Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.«

 

In menschlichen Beziehungen wissen wir, wie wahr das ist. Wenn man Vertrauen, Zuneigung, Liebe festhalten und überprüfen will, geht das (meistens) schief. Es geht in den wichtigsten Bereichen des Lebens nicht um Beweisbarkeit, sondern um Vertrauen. Das kann man nicht sehen oder anfassen. Selig ist, wer das glaubt.

 

 

 

Prior P. Gottfried Meier OSB 

Sankt Georgenberg

 

Foto: Sankt Georgenberg