Betroffen vom Terroranschlag in Wien - Gebet

Gott, tief getroffen von dem Terroranschlag in Wien am Abend des Allerseelentages kommen wir zu dir. Wir sind sprach- und fassungslos, wir fühlen innere Leere und Schmerz.

Terror offenbart die ganze Zerstörung, die von hasserfüllten Menschen ausgehen kann. Religiös verbrämter Terror entstellt zumal noch das liebende Angesicht Gottes. Auf diesem Hintergrund enthüllt die Botschaft vom Kreuz umso mehr ihre heilende und rettende Kraft. Jesus, dessen verwundetes Herz uns immer offen steht, vertrauen wir alle von den Schrecken dieser Terrornacht betroffenen Menschen an: die Toten und ihre trauernden Familien; die vielen Verwundeten; alle HelferInnen und Einsatzkräfte; und die vielen Menschen, die spüren, dass sie selber eigentlich auch Opfer dieses Attentats geworden sind. Vor dem Kreuz meditierend vertrauen wir deinem Herzen sogar die Familie des Täters an; und – wir wagen es kaum auszusprechen – sogar die unheilvoll verirrte Seele des Terroristen.

Menschgewordener, menschlicher Gott, von der Krippe bis zum Kreuz hast du in deinem Sohn nur ein Ziel verfolgt: durch seine liebende Hingabe die Menschen untereinander und mit dir zu versöhnen. Gerade angesichts des Terrors wollen wir deinem Plan der Geschwisterlichkeit aller Menschen umso mehr treu bleiben. Hilf uns, uns nicht von Hass und Gewalt anstecken und vergiften zu lassen, sondern mit offenem Herzen all jenen Menschen Aufmerksamkeit zu schenken, die das Gefühl haben, auf die Verliererseite unserer Gesellschaft abgedrängt worden zu sein. Lass uns verstärkt in ein tragfähiges Miteinander in unserer bunten Gesellschaft investieren. Stärke uns, gerade jetzt glaubwürdige Zeugendeines Sohnes zu sein. Amen.

Dekan Anno Schulte-Herbrüggen, Sillian