Kurzbeschreibung der Kirche

Die wichtigsten Daten und Fakten zusammengefasst - und dazu ein kleiner Bilderbogen. Lassen Sie sich in Geschichte und Raum entführen!

Spitalskirche Innsbruck – Kirche im Herzen der Stadt

Patrozinium Heiliger Geist (Pfingstsonntag)

 

Geschichte 

Die geschichtliche Entwicklung der Spitalskirche steht in Zusammenhang mit der Entstehung des ehemals angrenzenden Spitals und dem ehemals angrenzenden Friedhof.

Ende des 13. Jahrhunderts wurde außerhalb der damaligen Stadt (heute Altstadt) am heutigen Marktgraben ein Siechenhaus (Altersheim) gebaut. Im 14. Jahrhundert kam ein Friedhof dazu. Mit der Auflassung des Pfarrfriedhofes bei der St. Jakobs-Kirche (heute Dom zu St. Jakob) im Jahr 1509 wurde der Spitalsfriedhof vergrößert und an dessen Westseite zusätzlich eine gotische St. Veitskapelle gebaut. Dieser Friedhof wurde 1856 zum Westfriedhof verlegt. Damit verbunden wurde auch die gotische Friedhofskapelle abgerissen. 1869 wurde dort ein Erweiterungstrakt des Spitals erbaut, das Spital wurde aber bereits 1888 an den damaligen Westrand der Stadt, dem heutigen Klinikgelände, verlegt. 1890 wurde das alte Spitalsgebäude zur Schule adaptiert.

Mit dem Siechenhaus „in der Neustadt“ könnte schon von Anfang eine Marienkapelle verbunden gewesen sein. Das damit zusammenhängende Marienpatrozinium ist seit jeher im straßenseitigen (linken) Kirchenschiff verankert. Im Zusammenhang mit der Stiftung des Heilig-Geist-Spitals wurde im Westen ein neues Schiff mit dem Patrozinium zum Heiligen Geist angeschlossen.

1389 ist erstmals die Rede von einer „ecclesia“ – vermutlich weil die zweischiffige Kapelle durch Chor und Turm erweitert worden war.

Beim Umbau und der Erweiterung der Spitalskirche durch den Stadtmaurermeister Christoph Geiger und den Zimmermeister Adam Rausch im Jahr 1596 entsteht ein dreischiffiger Kirchenraum durch die Einbeziehung der Elsbethenkapelle.

1689 wurde die Kirche durch ein Erdbeben stark beschädigt. 1700 wurde sie bis auf einige Außen- und Grundmauern abgerissen. Der Vorgängerbau war quadratisch. Und dies störte die Baukommission. So wurde die Kirche um das Emporenjoch verlängert. Sie wurde vom Innsbrucker Hofbaumeister Johann Martin Gumpp gebaut und am 8. Juni 1705 vom Brixner Fürstbischof Kaspar Ignaz Graf Künigl geweiht. Die Ausstattung kam teilweise später hinzu.

 

Das Äußere 

Die Ostseite der Kirche mit ihren beiden Portalen ist Teil der Häuserreihe der Maria-Theresien-Straße und wirkt heute etwas eingesunken, weil die Nachbarhäuser im 19. Jahrhundert aufgestockt wurden.

Der Turm mit seinem Zwiebelhelm hat ein Innsbrucker Motiv aufgegriffen. Gemeinsam mit Stadtturm (Zwiebelhaube 1560), Hofkirche (1565) und Servitenkirche (1626) ergibt sich ein reizvolles harmonisches Innsbrucker Turmensemble. Auf der Spitze des Turmes thront eine Messingplastik des Heiligen Geistes.

Die Portale sind von ionischen Säulen flankiert. Über ihnen leitet ein durchbrochener Segmentbogengiebel zu den stukkierten Nischen der Oberlichtfenster hin. Beim Neuanstrich der Fassade wurde 1992 ein amerikanisches Pink gewählt.

 

Das Innere 

Über dem straßenseitig nördlichen Eingang steht das vierzeilige Chronogramm: „In medio civitatis ecclesia illibata“ – „In der Mitte der Stadt eine makellose Kirche“ aus dem Jahr 1962.

Die Kirche ist nach Süden ausgerichtet. Dadurch scheint die Vormittags- und die Nachmittagssonne hinein. Der Raum ist insgesamt ins Licht konzipiert und wirkt wie ein Festsaal. Wenn man unter der Empore hervortritt, hat man noch den Eindruck der alten quadratischen Kirche. Die Pilaster an den Seitenwänden wollen eine dreischiffige Kirche andeuten.

An diesen Pilastern befinden sich die Apostelkreuze mit ihren farbig gefassten Apostel-Halbfiguren aus Stuck, geschaffen von Benedikt Fries (1704). Die Apostel sind mit ihren Attributen dargestellt. In dieser Form sind sie einzigartig in Tirol.

Die Stukkaturen entstanden 1701 bis 1704. Sie beinhalten Engelsköpfe, ganzfigurige Putten bekrönt mit Muscheln, Fruchtkörben und Schalen, Blätter und Ranken.

Von den ursprünglichen Fresken von Johann Josef Waldmann (1702/03) ist nur noch das Deckenbild im Orgelchor erhalten. Es zeigt die Muttergottes mit gesenktem Zepter nach unten weisend. Bei der Restaurierung 1959 bis 1962 unter Propst Heinrich Huber wurden die durch Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg zerstörten restlichen Fresken von Hans Andre neu gemalt. Im Chorbogen ist die „Gesetzgebung Mosis“ dem „Tanz um das Goldene Kalb“ gegenübergestellt.

Am Chorbogen schwebt „Gottes Geist über den Wassern“ (Gen 1,2) vor einer Wolke mit sieben Flügeln, die die sieben Gaben des Heiligen Geistes (Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit, Gottesfurcht) symbolisieren. Die Heilig-Geist-Taube sendet ihre Strahlen über ein fünfzeiliges Chronogramm (1962): „Veni sancte spiritus et emitte caelitus lucis tuae radios ut exares noxia infinita gratia“ – „Komm Heiliger Geist und sende vom Himmel die Strahlen Deines Lichtes, damit Du Schaden Bringendes austilgst mit unendlicher Gnade.“

Die Deckengemälde stellen das Pfingstwunder und die Bergpredigt dar. Von der Bergpredigt ausgehend beginnen im Uhrzeigersinn die acht Seligpreisungen in den Seitenfeldern („Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig, die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.“ Mt 5,3-10)

Der Hochaltar aus Stuckmarmor ist das Werk von Christoforo Benedetti aus Trient und wurde 1705 aufgestellt. Ebenso von ihm stammt die Annasäule in der Maria-Theresien-Straße. Diese wurde zum Dank für die Vertreibung der in Tirol eingefallenen bayrischen Truppen (Bayrischer Rummel 1703) nach dem Annatag (26. Juli) aufgestellt. 1728 hat er auch den Hochaltar im jetzigen Dom zu St. Jakob gefertigt. Der barocke Hochaltar enthält das von Caspar Jele 1848 gemalte Pfingstwunder. Neben den äußeren vorgestellten Säulen steht links Mose mit den Gesetzestafeln, rechts König David mit Harfe.

Der Tabernakel von Hans Kölblinger aus dem Jahr 1962 symbolisiert das Zelt Gottes. Die zwölf Karneolen symbolisieren die zwölf Apostel.

Die Seitenaltäre (1705) stammen von Michael Stippler. Sie sind aus Holz gefertigt, marmorisiert und bestehen jeweils aus vier Säulen und dem Ziborium. Das Altarbild am rechten Seitenaltar wurde von Ulrich Glantschnigg um 1709 gefertigt und stellt Joachim und Anna mit ihrer jugendlich verklärten Tochter Maria dar.

Der linke Seitenaltar birgt das aus der Pfarrkirche St. Jakob stammende spätgotische Holzkreuz (um 1515). Die außergewöhnliche Intensität des Ausdrucks erinnert stark an die Werke von Veit Stoss. Ziemlich sicher stammt das Kreuz aus dem Umkreis von Kaiser Maximilian I. Die nachgedunkelte Fassung hat zum Beinamen „Schwarzes Kreuz“ geführt. Auf der Mensa wird das Mariahilfbild „Maria vom guten Rat“ aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verehrt. Das Urbild (Fresko aus dem Jahr 1487) befindet sich in Genazzano in der Nähe von Rom. Viele Menschen aus Innsbruck kommen zu diesem Bild, um in ihren Nöten und Bitten eine Kerze anzuzünden.

Die Stäbe der Kommunionbänke und der Ambo stammen vom Goldschmied Michael Norz und dem Gießer Johann Graßmayr aus dem Jahr 1962.

Der elegant dezente Volksaltar wurde 1996 von Bildhauer Hermann Ruetz und Schmiedemeister Thomas Nairz geschaffen.

Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1706 und ist ein Werk von Benedikt Fries. 1962 wurde sie von Franz Roilo restauriert, der auch den knienden Engel als Bekrönung geschaffen hat.

Die drei Glocken der Kirche stammen aus der Jesuitenkirche und wurden 1901 im Zusammenhang mit dem Neubau ihrer Türme an die Spitalskirche abgetreten. Die große Glocke trägt den Namen „Löffler-Glocke“. Sie stammt aus dem Jahr 1579 und wiegt 600 kg. Die mittlere Glocke ist die „St. Pirminius-Glocke“ mit ca. 320 kg und die kleine Glocke trägt den Namen „St. Ignatius von Loyola-Glocke“. Ihr Gewicht: 145 kg.

 

Die Spitalskirche dient seit Oktober 2018 als „Citykirche“ und trägt den Namen „Kirche im Herzen der Stadt“. Sie hat die Bestimmung, als einladender, gastfreundlicher und offener Raum neue Formen von Gebet, Kultur, Musik und Kunst zu ermöglichen und für Menschen unserer Zeit neue Wege der Begegnung mit dem Glauben zu erschließen. Zugleich will sie im Sinne der Seelsorge an PassantInnen ein Ort des niederschwelligen Kontakts mit Glaube und Kirche sein.

Foto: privat