Weihnachten in Armenien: in diesem Jahr ist alles anders

Weihnachten ohne Weihnachtsbaum und Geschenke: das ist in diesem Jahr für viele Menschen Realität in Armenien. Denn wenn es im vorangegangenen Jahr einen Todesfall in der Familie gab, dann verzichtet man auf diese feierlichen Gesten. Armenien beklagt nicht nur zusätzliche Tote auf Grund von Covid-19, sondern insbesondere auch auf Grund des Krieges mit Aserbaidschan, der im September ausgebrochen ist.

Das armenische Weihnachtsfest wird am 6. Jänner gefeiert.  Die Weihnachtszeit erstreckt sich nur über wenige Tage, einen Advent wie bei uns gibt es nicht. In den Zeiten der Sowjetunion wurde Weihnachten jedoch kaum gefeiert und auch heute noch ist Silvester das viel größere Fest. Es ist der Tag, an dem die Familie zusammen ist und traditionelles Essen zubereitet wird. Üblicherweise Dolma, das sind mit Fleisch gefüllte Rollen aus Wein- oder Krautblättern. Auch die Geschenke werden vom Weihnachtsmann, dem Dzmer Papik (übersetzt: Winter-Großvater), zu Silvester gebracht. In den Tagen danach werden Verwandte, Freundinnen und Freunde besucht. Das armenische Weihnachten am 6. Jänner hingegen ist ein ruhiges, religiöses Fest. Viele holen ein Licht aus der Kirche.

Gedenken an die vielen Toten - statt Weihnachtsdekoration prägen schwarze Bänder das Straßenbild  

Aber in diesem Jahr ist alles anders. Jene Familien, in denen es im vorangegangenen Jahr einen Todesfall gab, verzichten auf Weihnachtsbaum und Geschenke. Stattdessen kommen Verwandte und man gedenkt gemeinsam der Toten. Und das trifft in diesem Jahr besonders Viele. Tod und Verlust prägen nicht nur die Seelen der Armenierinnen und Armenier auf der ganzen Welt, sondern auch das Straßenbild vieler armenischer Dörfer und Städte. Statt Weihnachtsdekoration gibt es vielerorts schwarze Bänder. Für jede Verstorbene und jeden Verstorbenen wird in der Straße, in der er oder sie gelebt hat, ein schwarzes Band über die Straße gespannt. Darauf stehen der Name und das Alter der verstorbenen Person, so wie vom 18-jährigen Rubo, dem 42-jährigen Furman, dem 30-jährigen Davit und dem 26-jährigen Beno. Alle wurden im Herbst im Krieg um die Region Bergkarabach getötet. Dieser Krieg hat mehrere Tausend gefallene Soldaten hervorgebracht, dazu kommen die Menschen, die an Covid-19 verstorben sind. Es gibt kaum eine Familie, die nicht betroffen ist.

Geflüchtet aus der Region Bergkarabach – die Caritas hilft 

Und dann gibt es noch die Frauen und Männer, Mädchen und Jungen, die auf Grund des Krieges aus Bergkarabach geflüchtet sind. Viele von ihnen sind in den Feiertagen zwischen Silvester und dem armenischen Weihnachten nicht nur ohne Baum und Geschenke, sondern auch ohne ihr Zuhause sind. Die Caritas Armenien, mit der die Caritas Tirol seit 15 Jahren eng zusammenarbeitet, unterstützt sie mit dem Nötigsten. 1.000 Familien erhielten Lebensmittel, warmes Bettzeug und warme Kleidung. Auch dank der Spenden aus Tirol. 

Foto: Caritas Armenien