Nachruf: Pedro Casaldáliga, Dichter und Befreiungstheologe

Ich, Sünder und Bischof, bekenne
von der Kirche zu träumen
nur mit Evangelium und Sandalen bekleidet,
an die Kirche zu glauben,
trotz der Kirche, manchmal;
in jedem Fall an das Reich Gottes zu glauben
- in der Kirche auf dem Weg -

Pedro Casaldáliga, Dichter und Befreiungstheologie, diente jahrzehntelang als Ordensmann, Bischof und Menschenfreund in Lateinamerika. Sein Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit, insbesondere für die Landrechte der indigenen Bevölkerung, brachte ihm Anerkennung und Morddrohungen ein. Für seine starke Sprache, seine spirituelle Tiefe und seinen ausgesprochen einfachen Lebensstil war er weit über die Grenzen seiner Diözese Sao Felix (Brasilien) hinaus geschätzt. Am 8. August starb er 92-jährig in Brasilien.

 

Ich, Sünder und Bischof, bekenne,

mit robustem Pilgerstab nach Rom zu kommen,

den Wind zwischen den Säulengängen zu überraschen,

den Orgelpfeifen die Andenflöte zu lehren,

nach Assisi zu kommen,

umringt von Mohn.

 

Ich, Sünder und Bischof, bekenne 

von der Kirche zu träumen 

nur mit Evangelium und Sandalen bekleidet, 

an die Kirche zu glauben, 

trotz der Kirche, manchmal; 

in jedem Fall an das Reich Gottes zu glauben 

in der Kirche auf dem Weg -

 

Ich, Sünder und Bischof, bekenne

Jesus von Nazareth gesehen zu haben

wie er die Frohe Botschaft verkündet

auch den Armen Lateinamerikas;

wie er zu Maria sagt: "Unsere Genossin, sei gegrüßt!"

wie er das Blut derer feiert, die treu gewesen sind;

wie er wallfahrten geht...

 

Ich, Sünder und Bischof, bekenne

Nicaragua zu lieben, das Mädchen mit der Steinschleuder.

Ich, Sünder und Bischof, bekenne 

jeden Morgen das Fenster der Zeit zu öffnen; 

wie ein Bruder zu einem Bruder zu sprechen; 

weder Träume, noch Lieder, noch Lachen zu verlieren; 

die Blume der Hoffnung zu pflegen 

zwischen den Wunden des Auferstandenen. 

 

Pedro Casaldáliga