Fluch der Rohstoffe - Reiche Böden, armes Volk

Wie der Bergbau auf den Philippinen Mensch und Natur bedroht.

Auf den Philippinen setzen sie sich für Menschenrechte und den Schutz der Umwelt ein. Bei ihrem Besuch in Österreich erzählen AktivistInnen, was der exzessive Bergbau in ihrer Heimat mit unserem Konsumverhalten zu tun hat.  

Wenn wir in den Medien Berichte über die Philippinen hören oder lesen, dann meist in Zusammenhang mit Präsident Rodrigo Duterte. Seit seinem Amtsantritt im Juni 2016 hat sich die Menschenrechtslage auf dem Inselarchipel massiv verschärft. In einem brutalen Anti-Drogen-Krieg wurden bereits tausende Menschen getötet. Zudem geht die Polizei auch gewaltsam gegen Demonstrierende vor. Immer wieder werden JournalistInnen, RichterInnen, RechtsanwältInnen und Angehörige von indigenen Gemeinschaften ermordet. Dabei herrscht weitgehend ein Klima der Straflosigkeit.
Umweltorganisationen wie MACEC und CorDis lassen sich nicht einschüchtern. Die Partnerorganisationen der Dreikönigsaktion setzen sich in von Bergbau geprägten Gebieten für die Rechte der lokalen Bevölkerung und für eine lebenswerte Umwelt ein. Auch sie haben zunehmend mit Repressionen – vor allem seitens internationaler Bergbaukonzerne – zu kämpfen. Die Philippinen sind reich an Rohstoffen. Es wird vermutet, dass unter neun von 30 Millionen Hektar Land Mineralvorkommen lagern. Darunter sind große Mengen an Gold, Kupfer, Chromit, Nickel, Kohle, Eisen, Silber, Platin, Palladium und Uran. Einige Lagerstätten gehören zu den größten der Welt, wie etwa die Lagerstätte für Gold und Kupfer in Tampakan, einer kleinen Gemeinde im Südwesten der Insel Mindanao. 

Für viele Filipinos hat der Bergbau zwei Seiten. Einerseits schafft er Arbeitsplätze – vielfach für so genannte „Small Scale Miner“ in kleinen Bergbauunternehmungen. Auf der anderen Seite bedroht er die Lebenswelt vieler Menschen, die in den Bergbauregionen leben. Viele der Rohstoffe werden in entlegenen Gegenden gefunden. Die Familien, die in diesen Gebieten leben, sind häufig Mitglieder von indigenen Gemeinschaften und leben von der Land- und Viehwirtschaft. Viele indigene Gemeinschaften sind von ihren Territorien im Laufe der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte verdrängt worden. Aus Mangel an Alternativen wichen sie zum Teil in die Bergregionen aus, um ihre Kulturen aufrecht zu erhalten und weiterhin mit Land- und Viehwirtschaft überleben zu können.

Vergiftetes Land 

Die Folgen des exzessiven Bergbaus sind an vielen Orten auf den zahlreichen Inseln sicht- und spürbar: Seen und Flüsse, die auf den ersten Blick malerisch die Landschaft prägen, erweisen sich bei genauerer Betrachtung als eine Mixtur giftiger Abfallprodukte. Berge und Hügel sind durchlöchert von tausenden kleinen und größeren Tunnels. Die abgebauten Rohstoffe, die etwa als feine Golddrähte in unseren Smartphones, Tablets und Elektroautos landen, sind für die Bergbaukonzerne ein gutes Geschäft. Dass sie auch die Verantwortung für die Ausbeutung von Mensch und Natur übernehmen, dafür setzen sich Umweltorganisationen wie MACEC ein. Die Insel Marinduque ist aufgrund seiner Kupfervorkommen seit den 1960er Jahren Ziel von großangelegten internationalen Bergbauinvestitionen. Drei große Katastrophen, bei denen Dämme brachen, der Giftschlamm durch die Dörfer zog und alles Leben im Fluss bis heute zerstörte, führten zur Gründung von MACEC. „Die Menschen hier tragen so wenig zum Klimawandel bei und profitieren auch nicht vom Bergbau. Trotzdem sind sie die Opfer. Die Konzerne richten große Schäden an und zahlen kaum Steuern. Was bleibt, sind vergiftetes Land und kranke Menschen“, erklärt Rolando Larracas, ein Mitarbeiter von MACEC. Seine Kollegin Adelina Angeles fordert: „Was wir brauchen, ist ein Wandel in unserem Lebensstil, um den Verbrauch von Mineralien zu reduzieren!“ AktivistInnen wie Angeles und Larracas haben inzwischen erreicht, dass ein 50-jähriges Moratorium für ein bergbaufreies Marinduque verhängt wurde. Viele PolitikerInnen bekennen sich mittlerweile zu einer Anti-Mining-Position und fordern verbindliche internationale Verträge für Konzerne und Entschädigungszahlungen an die Betroffenen.
Jimmy Khayog ist Leiter von CorDis, einer Organisation, die er nach einem verheerenden Erdbeben in den 1980ern gründete. Er setzt sich mit seinen MitarbeiterInnen für eine lebenswerte Umwelt in den Kordilleren ein. Nach dem Motto vonCorDis „Wir helfen den Menschen, sich selbst zu helfen“ sind sie auch in den entlegensten Dörfern in der Gebirgsregion unterwegs, um mit der Bevölkerung gemeinsam an einer nachhaltigen Entwicklung zu arbeiten. „Meine Inspiration ist die Arbeit in den Gemeinden“, erzählt Khayog. „Ich sehe die Veränderung, die Fortschritte. Das tut gut.” Das Wissen rund um die Probleme des Rohstoffabbaus sei eine notwendige Voraussetzung, um nach persönlichen Alternativen zu suchen. 

Indigene Kultur in Gefahr 

Ebenfalls bei der Organisation CorDis arbeitet Rina Libongen. Sie gehört der Volksgruppe der Igorot an, die seit Generationen traditionellen Goldabbau ohne den Einsatz von Giften wie Arsen oder Blausäure betreiben. Traditionell besitzen die indigenen Gemeinschaften das Land, aber die Regierung vergibt die Schürfrechte an internationale Konzerne. Libongen stellt sich aber nicht nur gegen die Umweltschäden und den Raubbau der Konzerne, sondern auch gegen den Verlust der alten Traditionen der Igorot. Seit ihrem Studium organisiert sie Kulturgruppen und Workshops an Schulen und in den Gemeinden. „Ich glaube, dass die Kultur in unserem Kampf wichtig ist. Der Status „Indigen“ ist sinnlos, wenn wir unsere Traditionen vergessen. Wir müssen um unser kulturelles Überleben kämpfen – für unsere Kinder und unsere Zukunft.“
Im April 2018 sind vier Gäste von den Philippinen in Österreich unterwegs, um bei Workshops und Vorträgen von ihrem Engagement zu berichten. Laden Sie die AktivistInnen ein (siehe rechts) und begegnen Sie Menschen, die unermüdlich dafür kämpfen, dass auch ihre Kinder noch ein Land vorfinden, in dem ein würdiges Leben möglich ist. 

Von Michaela Spritzendorfer-Ehrenhauser, Silvia Mödritscher, Christian Köpf