Corona-bedingten Strukturwandel inklusiv gestalten!

Positionspapier der Deutschen Gesellschaft der Hörbehinderten

Dieses Positionspapier greift die Problematik der Gehörlosen und schwerhörenden Menschen in der Zeit von Corona und Lock-down auf.
Man sieht, dass die Problematik in Deutschland und Österreich ziemlich gleich ist.
In diesem Positionspapier steht unter anderem:                

"Die Deutsche Gesellschaft der Hörbehinderten – Selbsthilfe und Fachverbände e.V. (im Folgenden kurz "DG") setzt sich als Dachverband seit vielen Jahren für den Auf- und Ausbau inklusiver Strukturen für Menschen mit Hörbehinderungen sowie deren grundsätzlich gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ein. …
Besonders Menschen mit Hörbehinderungen waren und sind durch einen Teil der Maßnahmen aber mit Herausforderungen konfrontiert, die sie im Gegensatz zur restlichen Bevölkerung erheblich in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe einschränken.               

Einige anfängliche Hürden – mangels untertitelter und/oder in Deutsche Gebärdensprache (im Folgenden kurz: "DGS") gedolmetschter Informationsangebote – wurden bereits in Teilen überwunden. … Nach der bisherigen Erprobungsphase neuer digitaler Strukturen ist es jetzt an der Zeit, Konzepte für barrierefreie Angebotsformate in der Arbeit, Lehre oder Gremienarbeit bereitzustellen.
Dazu gehört unter anderem die Schulung verantwortlicher Personen sowie der Einsatz von Schrift- und Gebärdensprach-Dolmetscherinnen und -Dolmetschern, bevor sich ausgrenzende Strukturen etablieren und festigen.               

Besonders die Maskenpflicht stellt auch nach Anpassung der Rechtslage nach wie vor eine Herausforderung in der alltäglichen Kommunikation für alle Menschen dar, die auf eine klare Aussprache oder das Mundbild ihres Gegenübers angewiesen sind.
Dolmetschen in Gebärdensprache und Deutsch ist zudem nur OHNE getragenen Mund-Nase-Bedeckung möglich.
Mit Verweis auf die Maskenpflicht oder ein erhöhtes Infektionsrisiko abgewiesene Dolmetscher*innen – beispielsweise im medizinischen Bereich – deuten auf weiterhin bestehendes Unwissen in Teilen der Gesellschaft hin.
Auf diese Weise sind viele Menschen kommunikativ von einem Großteil des gesellschaftlichen Lebens abgeschnitten und verstärkt auf die Unterstützung durch ihre Mitmenschen und ihr soziales Umfeld angewiesen.
Die DG sieht hier nach wie vor einen breiten Aufklärungsbedarf, da aktuelle Ausgrenzungen stärker auf die Unwissenheit innerhalb der Bevölkerung als auf eine problematische Rechtslage zurückzuführen sind.               

Die DG hofft darüber hinaus, dass sich die Einsicht vieler öffentlicher Stellen, Untertitel und die Übersetzung in DGS [Deutsche Gebärdensprache] verstärkt in Pressekonferenzen und weitere Informationsveranstaltungen einzubinden, etabliert und auf weitere Formate ausweiten wird.
Neben … Fördermittel … [sind] klare Kriterien für Inklusion und Barrierefreiheit zur Voraussetzung für den Erhalt staatlicher Mittel aufstellen. …               

Bund und Länder sollten daher bei der Planung weiterer Maßnahmen eng mit Verbänden der Selbsthilfe zusammenarbeiten, um gesellschaftliche Benachteiligung bereits vorab zu vermeiden und eine größere gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen. …" 

 

Den gesamten Text finden sie unter "Downloads"! => Corona Positionspapier (D).pdf 

 

Deutschen Gesellschaft der Hörbehinderten