Kunstinstallationen in Dom und Spitalskirche

Im Dom St. Jakob und in frt Spitalskirche in Innsbruck sind während der Fastenzeit Installationen des Grazer Künstlers Manfred Erjautz zu sehen.

Im Innsbrucker Dom ist ab Aschermittwoch eine Installation des in Graz geborenen Künstlers Manfred Erjautz zu sehen. Ein leuchtend roter Schriftzug zeigt die Buchstaben "ME", die als "Ich" (engl. "me") gelesen werden können. Auf den Boden gespiegelt ergibt sich daraus "WE",  das für das "Wir" (engl. "we") steht. Die Lichtinstallation greife das Spannungsfeld zwischen dem Blick auf das Eigene und der Solidarität in der Gemeinschaft auf, so Generalvikar Florian Huber. Die rote Farbe korrespondiere mit dem Rot des Gnadenbildes von Lucas Cranach. Ein violetter Scheinwerfer, der auf den Altarraum und auf das Mariahilfbild gerichtet ist, wirke zudem wie ein Fastentuch.

In der Innsbrucker Spitalskirche ist ebenfalls ein Werk von Erjautz zu sehen. "Your personal Jesus" heißt die Installation, in der Erjautz eine alte Christusfigur zur Uhr umgestaltet hat. Den Corpus hat der Künstler vor Jahren aus dem Müll gerettet. Er hat den Corpus in drei Teile zerlegt. Rumpf und Beine zeigen die Stunden an, die Arme Minuten und Sekunden. Den Titel des Werkes hat Erjautz von einem Lied der Popgruppe Depeche Mode entlehnt. Bischof Hermann Glettler, der den Künstler persönlich kennt, hat bei der Präsentation der Installation auf die Herausforderung hingewiesen, die das Symbol des Kreuzes ausmacht: "Das Kreuz ist weder ein beliebiges Dekor, noch ein Herrschaftszeichen. Es muss neu geschaut und erschlossen werden." Manfred Erjautz provoziere mit seines Jesus-Uhr im barocken Kirchenraum nicht nur ein neues Nachdenken über das Kreuz, so Glettler. "Er konfrontiert uns mit ernsthaften Fragen, die das Wesentliche des Lebens betreffen: Sind wir Getriebene der Zeit und der vielen Ansprüche, oder schaffen wir Unterbrechung?"  Jesus gebe der Lebenszeit eine neue Qualität: "In jedem Moment ist es möglich, Vergebung anzunehmen, neu zu beginnen und dem Leben eine Wende zum Guten zu geben", so Glettler. 

Der Grazer Künstler Manfred Erjautz studierte von 1985 bis 1990 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Bruno Gironcoli. Er ist Mitglied der Wiener Secession und vom Forum Stadtpark. Die Arbeiten von Erjautz beschäftigen sich mit den Erfahrungen des Menschen innerhalb sich ständig verflechtender und gegenseitig irritierender Bereiche wie Innen und Außen, Privat und Öffentlich, und unternehmen kompensatorische Versuche, eine Positionierung der eigenen Person in diesen Feldern zu etablieren und damit einer konstatierten Überforderung entgegenzustellen. Durch das Verwischen und gleichzeitige Definieren räumlicher Grenzen, von Realem und Fiktivem thematisiert er die Transitorik gewohnter Situationen und Empfindungen und entlarvt diese als temporäre Übereinkünfte. Die Konfrontation mit den gleichermaßen lebensnahen wie – fernen Figuren führt auf eine Zwischenebene, welche die Kluft zwischen Privatem und Kollektivem erkennen lässt. Sein Universum gleicht simulierten Systemen – Mythologien und anderen Ersatzrealitäten -, welche die Mechanismen der Gesellschaft exemplarisch vor Augen führen.

Dom und Spitalskirche zeigen während der Fastenzeit Werke von Manfred Erjautz. Foto: Diözese Innsbruck