Auf eine Bajadera nach Kroatien

Die 24-Stundenpflege ist eine der tragenden Säulen in der Betreuung älterer Menschen. Lana (32 Jahre) und Maya (45 Jahre) aus Virovitica üben diesen Beruf seit Jahren in Österreich aus. Im 14-tägigen Rhythmus leben sie mit ihren Familien in Kroatien beziehungsweise bei ihren zu pflegenden Menschen in Österreich.

Stirbt dieser Mensch, heißt dies ihren Arbeitsplatz, und somit auch ihren Bezugsrahmen binnen weniger Tage zu wechseln. Der höhere Verdienst und die Pensionsversicherung in Österreich zahlen sich finanziell aus, auch wenn sie als Selbständige hohe Abgaben zu leisten haben. Der private Preis dafür ist hoch. Lana sieht ihre 4 Kinder im Alter von 7-15 Jahren nur alle zwei Wochen. Mayas Kinder sind fast erwachsen, sie wechselt sich mit ihrem Mann ab, für zwei Wochen ist sie im Ausland, und die darauffolgenden zwei Wochen arbeitet er, so ist es mit der Firmenchefin ihres Mannes ausgemacht. Corona hat einiges verändert.

 

Wie hat sich eure Arbeit in Österreich durch Corona verändert? 

Lana: Wir arbeiten immer zu zweit mit einer zu pflegenden Person. Normalerweise bin ich für zwei Wochen hier, dann löst mich meine Kollegin ab, und ich kann nach Hause fahren. Nach zwei Wochen wechseln wir wieder. Meine Kollegin ist nun schon seit 6 Wochen in Österreich und will endlich wieder zu ihrer Familie nach Kroatien. Nun heißt das für sie, dass sie in Kroatien 2 Wochen wiederum isoliert von ihrer Familie sein muss, um ihre Arbeit nicht zu verlieren. Ich hingegen bin nun hier in Österreich für 2 Wochen in Quarantäne, denn ich will und muss meine Arbeit hier fortführen. In diesen 2 Wochen verdiene ich jedoch nichts, und ich werde in dieser neuartigen Situation nun für 8 Wochen meine Familie nicht sehen (2 Wochen Quarantäne und 6 Wochen Arbeit.) Wir hoffen sehr, dass wir bald Coronatests machen können, um wieder zum gewohnten 14-Tagesrhythmus zurückkehren zu können. Mein Mann bleibt inzwischen bei den Kindern, was auch zu Spannungen mit seinem Arbeitgeber führt, denn so war es nicht ausgemacht.

 

Maya: Meine Kinder sind schon größer, daher habe ich es diesbezüglich leichter als Lana. Mein Mann jedoch arbeitete bei uns in der Gegend in einer Firma, die den Hauptsitz in Zagreb hatte. Binnen weniger Wochen war die Firma bankrott, und musste alle Niederlassungen in Kroatien schließen, sowie alle Mitarbeiterinnen entlassen. Zudem hat sich die Firmeninhaberin aufgrund der rasanten Entwicklungen, und der wohl aufgetretenen Überforderung das Leben genommen, was uns sehr sprachlos macht. Ich bin daher froh dass ich meiner Arbeit trotzdem nachkommen kann, auch wenn die Umstände schwieriger geworden sind. Zwei meiner beiden Kinder sind in Kurzarbeit, es sieht jedoch gut aus dass sie in wenigen Monaten zu ihrer Arbeit zurückkehren können. Der jüngste ist noch in der Schule.

 

Haben ihr in Kroatien schon einmal eine ähnliche Krise erlebt? 

Maya: Ich bin in den 90er Jahren mit meiner Familie von Bosnien nach Kroatien gezogen. Damals war es auch nicht leicht, doch wir konnten die Situation lösen, indem wir uns in ein neues Leben gewagt haben, und schlussendlich hat es gut geklappt. Virovitica ist unser Zuhause geworden. Die jetzige Situation zwingt zum Stillstand, das ist irgendwie fast schlimmer. Was wir jedoch gut gelernt haben, ist immer in Kontakt zu sein, immer zu reden, über alles. Wir essen sehr viel gemeinsam, was man an meinem Kilos auch sehen kann (lacht), doch diese Gemeinschaft träg uns. Und ja, zurückblickend, wenn ich das so erzähle, fällt mir auf dass der damalige Schritt, von Bosnien nach Kroatien zu gehen, um uns allen mehr Perspektive zu eröffnen, ein guter war. Damals gab es auch viel Unsicherheit, doch wir haben gelernt das auszuhalten, und jeden Tag darauf zu achten, dass wir auch lachen, uns nicht zu viel den Sorgen hingeben, und sehr aufeinander schauen. Das kommt uns in der jetzigen unsicheren Zeit sehr zu Gute.

 

Wie helfen die Menschen einander? 

Maya: Normalerweise haben wir sehr viel Kontakt zu Hause. Ständig kommen Freunde, Verwandte, ihre Kinder, und wir unternehmen etwas gemeinsam. Oder die alte Nachbarin schaut auf einen Kaffee vorbei. Das Leben bei uns daheim ist viel lebendiger was die sozialen Kontakte anbelangt, in Tirol besucht man sich nur hin und wieder, das wäre bei uns daheim undenkbar. Im Moment kaufen meine Kinder für die alte Nachbarin ein, für uns ist es selbstverständlich aufeinander zu schauen. Zudem sind wir es gewohnt über Laptop, Tablet und Handy den ganzen Tag hinweg in Verbindung zu sein. Das ist für uns nichts Neues, jetzt tun wir das umso mehr, und so versuchen wir uns gegenseitig bei Laune zu halten. Manchmal muss ich jetzt auch abschalten, die ganze Situation ist sehr anstrengend, und ich merke ich brauche auch Zeit für mich, um das alles durchzuhalten. Mein Ältester ist dann manchmal verärgert, denn er kocht hin und wieder, und will dass ich ihm jeden Schritt am Telefon ansage (lacht).

 

Wie lebt ihr euren Glauben in dieser Zeit? 

Lana: Mein „Opa“, der Franz (Anm. zu pflegender 87-jähriger Mann hier in Tirol) betet normalerweise immer dass ich eine gute Reise habe. Gestern hat er mir am Telefon gesagt er betet nun für gute Nerven, das braucht es jetzt mehr meint er (sie schmunzelt). Er zündet ein Kerzchen für mich an und sagt, ich müsse auch endlich jeden Tag eine große Runde gehen, nicht nur 10 Minuten, ich brauche das um es gut schaffen zu können. Dass die Tiroler so viel gehen werde ich nie verstehen  (lacht), ich komme ihm mit seinen 87 Jahren jedenfalls nicht nach, wenn wir in die Alm fahren. Ja, und mein mittlerer Sohn hätte im Mai seine Firmung gehabt, die findet nun im Herbst statt. Der Firmunterricht geht aber über Videotelefonie weiter, das funktioniert ganz gut. Zudem war ich von mir selber erstaunt, ich habe mir am Karsamstag die Osternachtsfeier von Papst Franziskus angesehen. Er hat geweint, weil er so traurig war über die jetzige Situation. Mir hat es gut getan, denn wenn er auch so darunter leidet, dann darf ich es auch schwer finden. Jedenfalls zu Ostern in Selbstquarantäne zu sein, zu wissen dass der Rest der Familie zu Hause sitzt, war sehr unschön, da habe ich die Online-Messe richtig gebraucht. Doch wir Kroatinnen schaffen das. Wir sind auch mit unseren Pflegerinnen-Kolleginnen jeden Tag in Kontakt. Wir sind harte Arbeit gewohnt, auch das werden wir noch gut überstehen. Und nächste Woche bin ich dann wieder beim Opa Franz, er hat schon gesagt ich muss ihm alles genauestens erzählen, was meine Kinder machen, und was wir in der Quarantäne alles gekocht haben. Ich habe sicher zugenommen (lacht).

 

In Kroatien und in Tirol kochen wir derzeit öfter zu Hause. Welche kroatische Köstlichkeit könnten wir hier nachmachen? 

Lana: Die Zutaten der kroatischen Küche unterscheiden sich nicht wesentlich von der Tiroler Küche. Jedoch was gesunde Ernährung anbelangt sind wir Kroatinnen kein gutes Vorbild (lacht). In Kroatien isst man viel Fleisch und viel Süßes. Wir essen für unser Leben gern, es ist normal dass Leute zum Essen kommen. Bajadera ist eine balkanische Nachspeise, die jeder kennt und mag. In Kroatien gibt es gebröselte Kekse zu kaufen, hier nicht, aber das könnt ihr auch leicht selber machen. Man macht immer viel Bajadera auf einmal, denn es hält sehr lange, und kann auch gut eingefroren werden. Am besten isst man ein kleines Stückchen Bajadera zum Kaffee, das schmeckt herrlich. Manchmal nehme ich mir auch ein zweites, doch mehr schaffe ich nicht, es ist eine Bombe (lacht). Mein Opa liebt es jedenfalls, und doch ist er beim Spazierengehen immer noch fitter als ich.

 

REZEPT BAJADERA (süße Nachspeise, am besten zum Kaffee)

Dunkle und helle Masse 

400g Zucker

1P Vanillezucker

10 Esslöffel Wasser

150g Margarine

150g gemahlene Kekse („Plazma“, das sind gemahlene Kekse, bekommt man in jeder Backwarenabteilung in Kroatien zu kaufen. Es kann leicht selber gemacht werden, indem zum Beispiel Butterkekse gemahlen werden.)

150g Schokolade

200g Walnüsse gerieben (alternativ Haselnüsse oder Pistazien)

Zitronensaft je nach Geschmack

 

Glasur 

100g Schokolade

1 Esslöffel Öl

etwas Milch

 

Wasser zum Kochen bringen, den Zucker inkl. Vanillezucker einrühren bis er sich aufgelöst hat. Die Margarine langsam einrühren. Nach einigen Minuten die gemahlenen Kekse und Nüsse hinzufügen und mit Zitronensaft abschmecken.

Schokolade mit etwas Milch schmelzen. Den Teig in zwei Hälften teilen, und in einen Teil die geschmolzene Schokolade einrühren. Die warme dunkle Masse in einem Gefäß gleichmäßig verteilen und gut dicht anstreichen. Darüber kommt die helle Masse, ebenfalls schön dicht anstreichen.

Glasur vorbereiten, indem die Schokolade mit dem Öl und etwas Milch verrührt wird. Die Glasur über die Masse verteilen, das Gefäß mehrmals fest auf die Arbeitsfläche klopfen, um Luftblasen entweichen zu lassen.

Mindestens 4 Stunden im Kühlschrank auskühlen lassen.

Bajadera in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden und als Nachspeise, am besten mit Kaffee oder Tee  servieren.

Bild: Katarina Kivacevic