Nicht mehr so wie früher

Elisabeth ist ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Telefonseelsorge Innsbruck. Sie hat ihre Gedanken und Erfahrungen formuliert, die sie seit dem Beginn der Corona-Krise begleiten. Der Bericht ist in der Kirchenzeitung TIroler Sonntag erschienen.

Ich bin mit dem Zug auf dem Weg zu meinem Dienst in der Telefonseelsorge in Innsbruck und lese in einer Zeitung vom 11. März: „Bis zumindest 3. April wird der Alltag in Tirol nicht mehr so sein wie früher“. Corona ist nun auch offiziell in Tirol angekommen.

Abwarten und Ungewissheit ertragen. Der erste Anrufer an diesem Tag fühlt sich krank, er fürchtet, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Über die Gesundheitshotline hat er sich bereits für einen Abstrich angemeldet, die Zeit bis zum Testergebnis gilt es nun abzuwarten. Im Laufe des Gespräches bringe ich ihn von „was-wäre-wenn-Szenarien“ ein wenig weg. Er wird, wie er selber sagt, „abwarten und Tee trinken“.

Keine Umarmung mehr. Für meine nächsten Anrufer ist Corona heute (noch) kein Thema, wohl aber bei der Dienstübergabe. Statt einer herzlichen Umarmung gibt es nur einen Corona-Fuß-Gruß.

Einsamkeit. Knapp zwei Wochen später: Corona bestimmt unseren Alltag. Es sind viele, die an diesem Tag zum ersten Mal die Nummer 142 der Telefonseelsorge gewählt haben. Die meisten steigen über das Thema Corona ein. Doch im Laufe der Gespräche treten ganz andere Probleme in den Vordergrund: fragile Beziehungskonstrukte, die im „gewöhnlichen Alltag“ gerade noch bestehen, brechen auseinander, man muss sich manchen Problemen und Auseinandersetzungen stellen, weil durch die Quarantäne keine Flucht oder Ablenkung nach draußen möglich ist, man wird sich der eigenen Einsamkeit plötzlich bewusst.  Arbeitskollegen, die man oftmals als Freunde sah, fallen bedingt durch Home Office weg. Nicht wenige sehen ihre Aufgabe im Beobachten der Mitmenschen, ob diese nur ja sämtliche Auflagen und Vorschriften auch genau einhalten.

Die Probleme bleiben gleich. Die Zahl der Anrufenden ist gestiegen, die Themen sind die gleichen wie vor Corona: Einsamkeit, Alltagsbewältigung und Beziehungsprobleme. Ein gelber Tulpenstrauss steht im Dienstzimmer. Wenn ich ein wenig von diesem Leuchten an die Anrufer weitergeben konnte, dann war es ein guter Dienst.

 

Telefon, E-Mail, Chat

Die MitarbeiterInnen der Telefonseelsorge Innsbruck sind über die kostenlose Tel.-Nr. 142 rund um die Uhr erreichbar. Neben der Möglichkeit des Telefongesprächs werden Beratungen auch per E-Mail und Online-Chat angeboten. 

www.telefonseelsorge.at