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Geschichte vom Locherboden

Um das Jahr 1740 brachte der Bergknappe Thalman Kluibenschädl aus Mötz, als Dank für seine wundersame Errettung, aus dem von einem Stein verschlossenen Stollen, ein Muttergottesbild am Stolleneingang an. Anderen Berichten zufolge, tat er es aber als Dankbarkeit, da ihm beim Schürfen nie ein Unglück geschehen sei.

1854 wurde ein neuer Steg zum Bild angelegt und die Grotte erweitert. Danach fanden sich immer mehr Beter ein und Gebetserhörungen werden aus dieser Zeit berichtet. Das Mariahilf-Bild wurde zu einer Pilgerstätte von lokaler Bedeutung. 1860 sollte das Bild restauriert werden. Der Künstler entschloss sich aber, ein neues größeres Mariahilf-Bild (eine Kopie des Gnadenbildes Mariahilf von Lucas Cranach) auf Leinwand zu malen, welches heute noch in der Kirche über dem Hochaltar hängt. Neben dem Mariahilf-Bild wurde ein Bild der Schmerzensmutter (wahrscheinlich eine Votivgabe) angebracht.

Bedeutung als Wallfahrtsort bekam Maria Locherboden aber nach der wundersamen Heilung der todkranken Maria Kalb aus Rum bei Innsbruck. Maria Kalb, die schon mit dem Sterbesakrament versehen war, hatte eine Erscheinung, in der ihr die Muttergottes mitteilte:"Du musst mich suchen im Oberland, und den Rosenkranz zu meinen sieben Schmerzen beten!" Am 11. September 1871 kutschierte sie ihr Bruder Johann mit dem Pferd nach Mötz, wo sie im Gasthof Römisch-Deutscher-Kaiser übernachteten. Am nächsten Tag trug man sie zur Grotte und bettete sie auf zwei Kissen; sie gab kaum noch Lebenszeichen von sich. Ihre Schwägerin nahm das Mariahilf-Bild vom Felsen und zeigte es der Kranken. Dann beteten sie den Rosenkranz von den sieben Schmerzen. Nach kurzer Zeit schlug die Kranke die Augen auf, und sie, die bislang zu schwach gewesen war um mitzubeten, sagte deutlich: "Muttergottes du bist mir erschienen, du bist es, du wirst mir helfen." Beim zweiten Rosenkranz hatte sie das Gefühl, dass etwas in ihrem Körper vorgegangen sei, denn sie fühlte sich auf einmal stark und kräftig. Man brauchte sie nicht mehr zu tragen, sie ging ohne Hilfe nach Mötz hinab. Maria Kalb starb im Jahre 1925, im Alter von 82 Jahren.

Da immer mehr Menschen zum Locherboden pilgerten, wurde ein neuer Weg durch den Wald von Mötz zur Grotte angelegt. Über den Eingang der Grotte wurde ein hölzerner Vorbau errichtet und auf der Anhöhe des Locherbodens drei weithin sichtbare Kreuze aufgestellt.1876 wurden die entlang des Weges errichteten Kreuzwegstationen eingeweiht, 1881 die steinerne Kapelle vor der Grotte erbaut.

Der damalige Pfarrer von Mötz, Johann Schlatter, der sich größte Verdienste um die Entwicklung des Locherbodens erworben hat, wollte über dem Ort der Heilung eine Kirche erbauen, was aber wegen dem felsigen Gelände nicht möglich war. Darum entschloss man sich die Kirche auf dem Hügel über der Grotte zu errichten. Am 12. März 1896 wurde unter der Leitung des Mötzer Baumeisters Heinrich Hörmann mit dem Kirchenbau begonnen, am 22. August bereits der Dachstuhl über dem Kirchenschiff aufgesetzt und im darauffolgenden Jahr der Turm gebaut.1901 war die Kirche bis auf die Inneneinrichtung fertig. Zu erwähnen sei auch P. Meinrad Bader, Prior das Stiftes Stams, welcher sich sehr am Locherboden engagierte. Am 30. Juni dieses Jahres wurde das Gnadenbild in feierlicher Prozession von der Mötzer Pfarrkirche in die neue Kirche am Locherboden übertragen. Es war ein Festtag für Mötz, wie in der kleine Ort vorher wohl nie gesehen hatte. Unter den Anwesenden war auch Maria Kalb. Am 5. Juli 1901 kam Fürstbischof Simon Aichner von Brixen auf den Locherboden um die Kirche zu konsekrieren. Die Priesterschaft der ganzen Umgebung und an die 300 Pilger nahmen daran teil. Die Einweihung wurde von seltsamen Lichterscheinungen begleitet.

Der Altaraufbau stammt von dem Bildschnitzer Josef Bachlechner aus Sollbad Hall. Ausgemalt wurde die Kirche in den Jahren 1914 - 1916 von Toni Kirchmayr aus Innsbruck. In dieser Form ist uns die Kirche bis heute erhalten geblieben und stellt in der Tiroler Kunstgeschichte eine kleine Rarität dar, denn neugotische Kirchen mit neugotischen Einrichtungen sind im Land nicht allzu häufig anzutreffen. Als Besonderheit fällt auf, dass sowohl die Wände als auch das Gewölbe mit ornamentaler und figürlicher Malerei geschmückt sind. Themen sind die vier Hauptfeste des Kirchenjahres Ostern, Weihnachten, Fronleichnam und Pfingsten. Der Künstler porträtierte viele Mötzer Bürger, wodurch die Locherbodenfresken ein Bilderbuch vieler eingesessener Mötzer Familien darstellen. Von leuchtender Farblichkeit sind schließlich die bunten Glasfenster aus der Innsbrucker Glasmalereianstalt. Am 24. Mai 1916 (Fest Maria Hilf) waren die Arbeiten abgeschlossen.

In den letzten Jahrzehnten sind immer wieder kleinere Renovierungsarbeiten und Umbauten durchgeführt worden.

Seit 1976 hat der Locherboden mit Cons. P. Johannes Messner O.Cist. einen äußerst umsichtigen Wallfahrtsseelsorger. Seinem unermüdlichen Einsatz ist es aber auch zu verdanken, dass es in jüngerer Zeit sehr viele Neuerungen rund um den Locherboden gibt. 1996 bekam die Locherbodenkirche eine neue Orgel. Für die Nachtwallfahrten, die jeweils am 11. des Monats (von Mai - Oktober) stattfinden, wurde eine moderne Kapelle, nach den Plänen von Architekt Gerold Wiederin, errichtet.

Somit ist der Locherboden seit über hundert Jahren für viele Menschen ein Ort der Hoffnung auf Hilfe, ein Ort des Gebetes und Vertrauen auf die Gottesmutter Maria und ein Ort des Dankens geworden. Auf einem Spruchband in der Kirche steht: "Dies ist der Ort, wo du mich suchen musst"