Das Jahr der Barmherzigkeit

Am 8. Dezember 2015 hat Papst Franziskus im Petersdom das "Jahr der Barmherzigkeit" ausgerufen. Dieses außerordentliche "Heilige Jahr" lädt dazu ein "im Alltag die Barmherzigkeit zu leben, die der Vater uns von Anfang an entgegenbringt", wie Papst Franziskus in einem Schreiben anlässlich der Ausrufung des Jahres der Barmherzigkeit schreibt.

Das "Jahr der Barmherzigkeit" lenkt den Blick daher in zwei Richtungen: Einmal auf die Barmherzigkeit Gottes den Menschen gegenüber und zum anderen auf jene Barmherzigkeit, die die Menschen einander entgegenbringen sollen. Darum gilt das Jahr der Barmherzigkeit vor allem jenen Menschen, die in materieller oder seelischer Not sind.

Papst Franziskus schreibt: "Der Tragebalken, der das Leben der Kirche stützt, ist die Barmherzigkeit. Ihr gesamtes pastorales Handeln sollte umgeben sein von der Zärtlichkeit, mit der sie sich an die Gläubigen wendet; ihre Verkündigung und ihr Zeugnis gegenüber der Welt können nicht ohne Barmherzigkeit geschehen. Die Glaubwürdigkeit der Kirche führt über den Weg der barmherzigen und mitleidenden Liebe."

Die Diözese Innsbruck greift das Anliegen des Papstes im Jahr der Barmherzigkeit in vielen Veranstaltungen und Initiativen auf. Dabei geht es nicht um punktuelle Aktivitäten sondern um das Sichtbarmachen einer Grundhaltung, die das gesamte Wirken der Kirche durchzieht und keine zeitlichen Grenzen kennt.

Auf diesen Seiten finden sich Informationen zum Jahr der Barmherzigkeit sowie Hinweise auf Veranstaltungen und Angebote im Gebiet der Diözese Innsbruck.

Jahr der Barmherzigkeit - Das Logo

Das aus dem Lukasevangelium stammende Wort Barmherzig wie der Vater (6,36) lädt ein, die Barmherzigkeit nach dem Vorbild des Vaters zu leben. Dieser ruft dazu auf, nicht zu urteilen oder gar zu verdammen, sondern zu vergeben und in geradezu maßloser Weise Liebe und Verzeihung zu schenken (vgl. Lk 6,37-38). 

Das Logo zum "Jahr der Barmherzigkeit" ist ein Werk des Jesuiten Marko I. Rupnik. Es zeigt den Sohn, der sich den verlorenen Menschen auf die Schultern lädt. Hier wird ein Bild aufgegriffen, das schon die frühe Kirche sehr geschätzt hat, weil es die Liebe Christi zeigt, der das Geheimnis seiner Menschwerdung im Werk der Erlösung zur Vollendung führt. Das Bild ist so gestaltet, dass deutlich wird, wie der gute Hirte in direkten Kontakt mit dem Fleisch des Menschen kommt. Er tut dies mit einer Liebe, die in der Lage ist, Leben zu verändern. Ein Detail des Bildes darf uns nicht entgehen: Der gute Hirte trägt die Menschheit mit außerordentlicher Barmherzigkeit auf den Schultern und seine Augen verbinden sich mit denen des Menschen. Christus sieht mit dem Auge Adams, und dieser mit dem Auge Christi. Jeder Mensch entdeckt also in Christus, dem neuen Adam, die eigene Menschlichkeit und, indem er in Christi Blick die Liebe des Vaters wahrnimmt, die Zukunft, die ihn erwartet.

Die Szene ist von einer sogenannten Mandorla, einer mandelförmigen Figur, eingefasst. Diese in der antiken und mittelalterlichen Ikonographie beliebte Form deutet die gleichzeitige Präsenz der göttlichen und der menschlichen Natur in Christus an. Die drei konzentrischen Ovale mit ihrem progressiven, nach außen immer heller werdenden Farbverlauf symbolisieren die Bewegung Christi, der den Menschen aus der Nacht der Sünde und des Totes zum Licht bringt. Auf der anderen Seite steht die tiefdunkle Farbe im Zentrum auch für die Undurchdringlichkeit der Liebe des Vaters, der alles verzeiht.

Was ist ein "Heiliges Jahr"?

Die Geschichte des "Heiligen Jahres" geht auf eine hebräische Tradition zurück. Das sog. Jubeljahr  wurde alle 50 Jahre begangen und sollte die Gleichheit zwischen allen Söhnen und Töchtern Israels wiederherstellen, indem es den Sippen, die ihren Besitz und sogar die persönliche Freiheit verloren hatten, neue Möglichkeiten eröffnete. Die Reichen hingegen erinnerte das Jubeljahr daran, dass die Zeit gekommen war, wo die israelitischen Sklaven, die ihnen wieder gleich geworden sind, ihre Rechte würden einfordern können. „Nach dem Gesetz Israels bestand die Gerechtigkeit vor allem in der Beschützung der Schwachen” (Papst Johannes Paul II. in Tertio Millennio Adveniente 13).

In der katholischen Kirche griff Papst Bonifatius VIII. 1300 die Tradition des Jubiläums wieder auf. Ursprünglich sollte es alle hundert Jahre gefeiert werden. 1475 legte man jedoch einen Rhythmus von 25 Jahren fest. Dieser sollte es jeder Generation ermöglichen, zumindest ein Jubiläumsjahr zu erleben. Ein außerordentliches Jubiläum steht im Zusammenhang mit besonderen Anlässen und findet außerhalb des festen Rhythmus statt. Bis heute wurde insgesamt 26 Mal ein ordentliches Heiliges Jahr gefeiert. Das letzte war das große Jubiläum im Jahr 2000.

Der Brauch, außerordentliche Jubiläen auszurufen, geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Im vergangenen Jahrhundert geschah dies zweimal: 1933 feierte Pius XI. den 1900. Jahrestag der Erlösung und 1983 – 50 Jahre später – erinnerte der hl. Papst Johannes Paul II. an die 1950 Jahre, die seit der Kreuzigung Christi vergangen waren. Die katholische Kirche hat dem hebräischen Jubeljahr eine mehr geistliche Bedeutung gegeben. Sie besteht in einer umfassenden Vergebung und der Einladung, die Beziehung mit Gott und den Mitmenschen zu erneuern. Damit ist ein Heiliges Jahr stets ein Anlass zur Vertiefung des Glaubens und zu einem erneuerten Lebenszeugnis aus dem Glauben.

Der "Weg der Barmherzigkeit" in Zams

Ein Themenweg zur Barmherzigkeit führt in Zams vom Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern bis zum Krankenhaus.

In neun Windungen führt ein "Weg der Barmherzigkeit" durch den Garten des Klosters der Barmherzigen Schwestern in Zams. An jeder Windung findet sich eine Station mit einem besinnlichen Text. Die Idee dazu stammt von Sr. Maria Gerlinde.

Ein besonderes Merkmal des Weges: Er ist weder am Beginn noch an seinem Ende in seinem Verlauferkennbar. Man muss den Weg gehen, um ihn zu erkennen. Sieben Textsäulen, die auf dem Weg aufgestellt sind, erinnern symbolisch an den Dialog zwischen Gott und Mensch. Die Grundbotschaft des Weges lautet: Barmherzigkeit kann nur jede Einzelne, jeder Einzelne auf seinem eigenen Lebensweg verwirklichen. Wer barmherzig ist, findet sich in der Mitte zwischen Gott und dem Nächsten, so wie Gott selbst und seine Barmherzigkeit die Mitte zwischen dem Menschen und seinem Nächsten ist.

Der Weg der Barmherzigkeit in Zams.

Der Weg der Befreiung in Ranggen

Ein Besinnungsweg in Ranggen zu den Werken der Barmherzigkeit

Der Besinnungsweg in Ranggen führt in sieben Stationen von der Pfarrkirche zu einer Kapelle im Wald und in sieben Stationen wieder zurück zur Pfarrkirche. Die Stationen auf dem Hinweg widmen sich den sogenannten leiblichen Werken der Barmherzigkeit, auf dem Weg zurück sind es die geistlichen Werke der Barmherzigkeit.

Der Besinnungsweg wurde vor 10 Jahren im September 2005 eröffnet und führt durch Ranggen hindurch und hinein in einen Wald bis zu einer Kapelle, die dem Geheimnis der Auferstehung geweiht ist. Der Rangger Bergweg führt schließlich von der Kapelle zurück in den Ort und zur Pfarrkirche St. Magnus.

Die Stationen zu den sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit:
Gefangene besuchen
Fremde beherbergen
Hungrige speisen
Nackte bekleiden
Durstige tränken
Kranke besuchen
Tote begraben 

Die Stationen der sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit:
Unwissende lehren
Zweifelnden raten
Sünder zurechtweisen
Erlittenes Unrecht verzeihen
Lästige geduldig ertragen
Betrübte trösten
Für Lebende und Verstorbene beten 

Anregung für den Familiengottesdienst

Pfarrgemeinden, die einen Familiengottesdienst zum "Jahr der Barmherzigkeit" gestalten wollen, finden hier viele Unterlagen und Anregungen. Ein Familiengottesdienst zu diesem Thema lässt sich an mehreren Sonntagen im Kirchenjahr 2015/16 einbauen.

Weiterführende Links:
Familien feiern Feste - „Herz Jesu“ http://www.familien-feiern-feste.net/160.html
Ausmalbilder Nikolaus und Martin: innsbruck.jungschar.at 

Behelfe

 

Broschüre "Barmherzigkeit leben"
Die Caritas der Diözese St. Pölten hat zum Jahr der Barmherzigkeit eine kleine Broschüre herausgegeben. Unter dem Titel "Barmherzigkeit leben" gibt die Broschüre ganz konkrete Anregungen, wie die Werke der Barmherzigkeit heute in den Pfarren und christlichen Gemeinschaften gelebt werden kann. Dir Broschüre orientiert sich an den sieben Werken der Barmherzigkeit, wie sie der Erfurter Bischof Joachim Wanke für die Gegenwart formuliert hat. Jedes Werk wird dabei mit einer sozialen Not in Verbindung gebracht. Die Broschüre enthält Lebenszeugnisse von Menschen in verschiedenen Lebenslagen, gibt Impulse und Anregungen für die persönliche Auseinandersetzung und für die Aufarbeitung des Themas in der Pfarrgemeinde. Gebete und Texte zu den jeweiligen Themenbereichen runden das Angebot ab. Das Heft enthält auch Anregungen für eine spirituelle Feier. 

Weitere Infos und Anforderung der Broschüre 

 

Impulse zum Jahr der Barmherzigkeit auf CD
Meditationsanregungen zu Schriftstellen rund um das Thema Barmherzigkeit gibt eine neue Doppel-CD, die seit 20. Jänner 2016 erhältlich ist. Die zwei CDs enthalten Impulse für alle sechs Wochen der Fastenzeit, begleitet von meditativer Instrumentalmusik. 

Die CD samt Booklet ist zum Preis von 8,50 Euro beim Behelfsdienst der Erzdiözese Wien erhältlich:
Tel. 01 51552 3625. E-Mail: materialstelle@edw.or.at 

Buch zum Jahr der Barmherzigkeit
Die Katholische Kirche in Kärnten hat gemeinsam mit der Caritas ein Buch zum Jahr der Barmherzigkeit veröffentlicht. Unter dem Titel "Mehr als gerecht - Die Schwelle der Barmherzigkeit überschreiten" vesteht sich das Buch einerseits als Begleiter auf einer Pilgerfahrt zur Heiligen Pforte in Rom, andererseits aber auch für die Reise ins eigene Innere. Das Buch ist um 10 Euro erhältlich, ein Viertel des Verkaufspreises kommt der Caritas Kärnten zugute. 

Begleitend zum Buch steht auch eine Handreichung mit Predigt- und Gottesdienstvorschlägen zur Verfügung (je 2 Euro). Das Buch ist ab 2. Dezember beim Behelfsdienst der Katholischen Kirche Kärnten erhältlich:

behelfsdienst@kath-kirche-kaernten.at 

Schriftenreihe des Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung
Der Päpstliche Rat zur Neuevangelisierung hat anlässlich des Jahres der Barmherzigkeit eine Schriftenreihe mit insgesamt acht Bänden herausgegeben. Die Büchlein enthalten vielfältige Materialien und Anregungen für die persönliche Auseinandersetzung, aber auch für die Gestaltung von Gottesdiensten, Predigten, Einkehrtagen. 

Eine Übersicht über die Bücher sowie eine Bestellmöglichkeit finden Sie auf der Homepage des Schwabenverlages unter dem folgenden Link:

http://www.schwabenverlag-online.de/-paepstlicher-rat-zur-foerderung-der-neuevangelisierung-al-386.html 

Hanreichung zum Messbuch
Die liturgischen Institute Deutschlands, Österreichs und der Schweiz haben eine Handreichung zum Messbuch erstellt.  Die Publikation enthält das Formular für die Votivmesse von der Göttlichen Barmherzigkeit, Kyrie-Rufe, weitere Gebete zur Auswahl, Perikopen zur Auswahl und das Votivhochgebet „Versöhnung". 

Weitere Infos und Bestellung 

Die offizielle Hymne zum Jahr der Barmherzigkeit

Die offizielle Hymne zum Jahr der Barmherzigkeit. Die Musik stammt von Paul Inwood, der Text vom Jesuiten P. Eugenio Costa.Die offizielle deutsche Übersetzung, Noten und eine Audio-Datei stehen auf der Seite des Vatikans zur Verfügung. Daneben besteht eine weitere Version in anderer deutscher Übersetzung.

http://www.iubilaeummisericordiae.va/content/gdm/de/giubileo/inno.html