Diözesaner Bibeltag 2018

Samstag, 3. Februar 2018, 10:00-17:00 Uhr, Haus der Begegnung / Innsbruck

Glaubensspuren – mit dem Johannesevangelium in die Tiefe gehen

Referent: Prof. Dr. Hans-Georg Gradl
Theologische Fakultät Trier  

Nachlese

Zusammenfassung:

1. Johanneisch lernen. Ein sachter Sprung ins Evangelium 
Johannes verstehen - ein Gedankenexperiment: 
Johannes lässt auf der Bühne und Kulisse des irdischen Lebens, Weges und Wirkens Jesu den auferstandenen und erhöhten Herrn sprechen und handeln. Vom Himmel aus erklärt der verherrlichte Herr den Sinn und die Bedeutung seines irdischen Lebensweges. So erscheint alles in einem neuem Licht, die Geschichte wird durchsichtig, eine tiefgründige Bedeutung wird erkennbar. 

Unterschied: Die Synoptiker schildern das Leben und Wirken des irdischen Jesus in österlichen Farben und Johannes das Wesen und die Bedeutung des Auferstandenen in irdischen Farben.

  • Literarische und inhaltliche Besonderheiten im Johannesevangelium
  • Herkunft Jesu: Prolog statt Kindheitserzählung
  • Weg und Wirken Jesu: mehrjährige Dauer statt einmaliger Gang
  • Tempelaktion: am Anfang, nicht erst am Ende des öffentlichen Wirkens
  • Verkündigung: Selbstoffenbarung, kaum Reich-Gottes-Thematik
  • Sprachmedien: Ich-bin-Worte, nicht Gleichnisse
  • Wirken: Zeichen statt Wunder
  • In Gethsemane handelt Jesus hoheitlich, nicht ringend und angstvoll
  • der Todestag ist am Rüsttag, nicht am Paschafest
  • Sterben: Vollendung und Geistgabe („er hauchte den Geist ein“, statt Psalm 22

2. Eindrückliche Jüngerportraits
Im Johannesevangelium finden sich viele detailreiche Portraits einzelner Jüngerinnen und Jünger: die zunächst namenlosen Jünger in Joh 1; der geliebte Jünger, Maria von Magdala und viele andere, wie 

  • Nikodemus (Joh 3,1-21) und die (missverständliche) Rede von einer neuen Geburt
  • die Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4,1-42) und die Suche nach einem Wasser, das nie mehr durstig macht
  • der Blindgeborene (Joh 9,1-41) und die Tatsache, dass die Sehenden am Ende blind,
  • der Blinde am Ende der einzige Sehende ist
  • Maria und Martha (Joh 11,1-44) und die Hoffnung auf eine Auferstehung schon in diesem Leben
  • Petrus (Joh 13,6-11; 20,3-10; 21,1-23) und der lange Weg, bis aus dem Jünger ein Felsenmann wird
  • Thomas (Joh 20,24-29) und die Einsicht, dass nicht ein physischer Beweis, sondern nur die persönliche Erfahrung Ostern begründen kann 

Sie alle geben der Botschaft ein konkretes Gesicht!
Greifen Sie zu: so vielfältig wie die Biographien und Wege dieser Jüngerinnen und Jünger sind die Wege und Lebensgeschichten der Adressaten. Jede einzelne Figur reicht der Leserin und dem Leser die Hand und bietet sich als Weggefährtin oder Weggefährte an, um das Ziel des Evangeliums zu erreichen. 

Der geliebte Jünger:
Der geliebte Jünger ist die große geheimnisvolle Gestalt im vierten Evangelium. Dahinter dürfte sich wohl eine historische Person verbergen: ein Jünger der ersten Stunde, auf den sich die johanneische Gemeinschaft beruft, auf den das Zeugnis und die besondere Sichtweise Jesu zurückgeht; der geliebte Jünger war wohl keiner der Zwölf, aber für die johanneische Gemeinschaft doch der zentrale Anker und die verlässliche Quelle. 

Über die historische Bedeutung hinaus spiegelt sich im geliebten Jünger aber auch das grundsätzliche Wesen der Jüngerschaft: er ruht an der Seite Jesu (Joh 13,23) – wie Jesus an der Seite des Vaters ruht (Joh 1,18)

  • er gibt Zeugnis von Jesus (Joh 21,24) –  wie Jesus Zeugnis vom Vater gibt (Joh 1,18)
  • er bleibt bei Jesus (Joh 19,26) – wie Jesus seinen Jüngern ausdrücklich aufgetragen hatte (Joh 15,4-10)
  • er lässt zwar Petrus den Vortritt (Joh 20,6), aber kommt doch zuerst zum Glauben an die Auferstehung (Joh 20,8)

Schließlich erkennt er als Erster den Auferstandenen mitten im Alltag (Joh 21, 7).

 

Kontakt und Information
Pfr. Franz Troyer / Bibelpastoral 
+43 676 8730-7051
bibelpastoral@dibk.at  

 

Einladung 

Bibeltag_2018 

Johannes ist anders. Nicht selten lässt er seine Leserinnen und Leser ratlos zurück. Schon die Sprache des vierten Evangeliums ist eigen. Da ist von Erhöhung und Herrlichkeit, von der Stunde und dem Logos die Rede. Im Johannesevangelium wirkt Jesus keine Wunder. Johannes erzählt von sieben Zeichen. Am Ende stirbt Jesus nicht leidend am Kreuz. Vielmehr thront er erhöht über der Erde und spricht: „Es ist vollbracht.“ (Joh 19,30) 

Johannes gibt zu denken. Nicht von ungefähr ist sein Symbol der Adler, der König der Lüfte: Johannes entzieht sich einem leicht und ist schwer zu fassen. 
Die Mühe lohnt sich. Schritt für Schritt vermittelt das Johannesevangelium eine neue Sicht auf Jesus und sein Wirken, auf die Jüngerschaft und das Leben, auf die Welt und den Glauben. 

Der Bibeltag ist eine Einladung, dem Geheimnis des Johannesevangeliums auf die Spur zu kommen. Wer sich auf den Weg macht, entdeckt schnell: Johannes führt in die Tiefe. 

 

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Diözesaner Bibeltag 2017

Samstag, 4. Februar 2017, 10:00-17:00 Uhr Haus der Begegnung / Innsbruck

Wie Jesus, der Jude, seinen Glauben lernte

Das Lukasevangelium erzählt von der Suche seiner Eltern nach dem inzwischen religionsmündigen Jesus. Und sie finden ihn im Tempel unter Lehrern und Schriftgelehrten als Hörer und Frager. Das Erlernen der Weisungen Gottes durch die heiligen Schriften seiner religiösen Traditionen und in der Begegnung mit Menschen war auch bei Jesus ein lebenslanger Prozess.

Vergleichen wir diesen Weg mit unserer eigenen religiösen Sozialisation, dann werden uns viele Parallelen deutlich, über die wir an diesem biblischen Studientag nachdenken und reden werden.

Referent: Pfr. Dr. Wilhelm Bruners 
Theologe und Buchautor, Bistum Aachen 

Ankündigung:

Information und Anmeldung: 
Pfr. Franz Troyer / Bibelpastoral 
+43 676 8730-7051
bibelpastoral@dibk.at