Gut angekommen

Ein Schreiben des designierten Bischofs der Diözese Innsbruck, Hermann Glettler, für die Pfarrblätter. Glettler schreibt zu seiner Person und zur Zeit des Advents und der Ankunft Gottes bei den Menschen.

Es ist mir eine große Freude, dass ich in der Diözese Innsbruck als neuer Bischof gut angekommen bin. Unzählige Menschen haben dazu beigetragen. Ich danke ihnen allen ganz herzlich dafür. Ohne Vorleistung wurde ich mit großer Herzlichkeit und Offenheit empfangen. Das hat mir den Abschied von der Steiermark erleichtert. Es fordert mich heraus, Neues zu wagen – und mit Vertrauen in alle Begegnungen und ungewohnten Situationen hinein zu gehen. Eine persönliche adventliche Übung. Manchmal sind wir in Gefahr nur oberflächlich „gut ankommen“ zu wollen. Das treibt uns in eine Sorge um äußerliche Sympathien und Zustimmungen. Nicht nur wir, deren Auftrag und Berufung einen größeren Verantwortungsbereich umfasst, sind diesbezüglich gefährdet. Es passiert so leicht, nur mehr äußerlich zu funktionieren und die innere Mitte längst verloren zu haben.

Der Advent ist eine Zeit, um ein gutes Ankommen einzuüben. Zuerst bei sich ankommen. Nicht getrieben von Dingen und Meinungen, die es nicht wert sind. Gott erwartet uns bereits in der Mitte unseres Lebens. Der vor-weihnachtliche Dekor und die von Glühwein getränkten Stimmungsbäder sind noch nicht alles. Das ursprüngliche adventliche Brauchtum hat etwas Karges an sich. Es will unsere Herzen und Gefühle sammeln. Der Glaube beginnt im einfachen Hören, in der Bitte um Sammlung in aller Zerstreuung und im konzentrierten Blick auf Jesus. Ein einfaches Gebet probieren – oder bewusst beten, wenn man schon eingeübt ist. Vor allem der „Engel des Herrn“ ist ein adventliches Gebet der Vorbereitung für das Ankommen.

Gott ist längst schon im Kommen. Wie damals im Bergdorf Judäas. Die entscheidende Frage ist, ob er bei uns ankommen kann, ob wir bereit sind – seine Barmherzigkeit anzunehmen. Der Advent ist eine Einübung, bei der Realität des eigenen Lebens anzukommen. Ohne Schönfärben und Verklären. Wahrnehmen und aussprechen, was der Fall ist. Jeder Mensch, was auch immer ihn belastet, darf damit bei Gott ankommen. Und wir haben ein kostbares Sakrament, wo dieses ehrliche Hinschauen seinen berührenden und tröstenden Platz hat. Wer seinen inneren Blick auf Christus richtet, wird aufmerksamer für Menschen, die sich schwertun. Nicht wenigen fehlen Umfeld und Möglichkeiten, irgendwo oder bei irgendjemandem anzukommen. Eine Suchterkrankung, eine geistige oder körperliche Beeinträchtigung stehen ihnen im Weg. Oder sie sind Fremde in unserem Land. Ankommen dürfen - es braucht adventliche Menschen, um Entwurzelten Heimat zu geben.

Ich wünsche Ihnen allen von Herzen eine gesegnete Adventzeit! Vielleicht gelingt ein inneres Ankommen. In jedem Fall werden wir mit Freude Weihnachten feiern, denn Gott kommt immer an – meist unerwartet und überraschend.

Ihr Bischof Hermann Glettler