Pfarre und Pfarrkirche

PFARRE EHRWALD seit 1891: Pfarrer Herbert Kassebacher seit 1.9.1983
Dekanat Breitenwang: Dekan Franz Neuner
Diözese Innsbruck: Diözesanadministrator Jakob Bürgler
Metropolitanbistum Salzburg: Erzbischof Franz Lackner 

Ehrwald gehörte ursprünglich zur Pfarre Lermoos und Lermoos wiederum zur Mutterpfarre Imst -Diözsese Brixen, von wo aus es seelsorglich durch berittene Priester betreut wurde. Ab 1423 war ein eigener Kurat in Lermoos ansässig, der auch Ehrwald mitbetreute.
Lermoos mit Ehrwald, Biberwier, Berwang (und den Weilern) und Namlos war der Pfarre Imst und damit dem Bischof von Brixen unterstellt, während ab Lähn (Pfarre Bichlbach) die Pfarren des Außerferns früher zur Diözese Augsburg gehörten. 

  • Anfang 16. Jh.: Martinskapelle "im Holz" (Oberdorf), ältestes Gotteshaus in Ehrwald
  • 1640-48: Bau der ersten Kirche nach der großen Pest
  • 15. Aug. 1648:Weihe der Kirche "Zu Unserer Lieben Frau Maria Heimsuchung" und des Friedhofs durch den Brixner Weihbischof Jesse Perkhofer
  • Die Kirche von Ehrwald wurde als Expositurkirche von Lermoos aus mitbetreut.
  • 1688: Stiftung einer KURATIE für Ehrwald durch Urban Würtenberger (Pfannhausdirektor), Ferdinand Truefer (Pfleger in Thaur), Christina Schälling (geb. Sterzinger) und Johann SSterzinger (Salz- und Daubenfaktor) - Damit ist seit 1688 ein eigener Seelsorger in Ehrwald ansässig, der bis zur Pfarrerhebung 1891 dem Kuraten bzw. Pfarrer von Lermoos unterstellt war. Erster Kurat war Georg Sailer.
  • 1695: Einsetzung der Fronleichnamsbruderschaft
  • 1729:Neubau der Kirche
  • 11. Sep. 1734:Weihe der Kirche durch den Brixner Fürstbischof Graf von Sarnthein
  • Erlaubnis des hl. Kreuzweges (ausgeführt von Paul Zeiller aus der berühmten Malerfamilie aus Reutte)
  • 1739: erste Orgel
  • 1769: Umgestaltung des Spitzturms durch Zimmermeister Christian Samwöber (Somweber) in eine Zwiebelhaube
  • 1781: Errichtung einer Kooperatur aus dem Religionsfond
  • 1784: letzte Erweiterung der Kirche mit Bau der Doppelempore
  • 1868: Brüstungsorgel von Franz Weber aus Oberperfuß (zweite Empore)
  • 1874: erstes zusammenklingende Geläute mit vier Glocken (Stifter Josef Anton Schennach)
  • 1891 wurde Ehrwald selbstständige PFARRE.
  • Anfang 20. Jh:Pläne für den Neubau von Kirche (im neuromanischen Stil) und Widum mit Neugestaltung des Kirchplatzes - verhindert durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges
  • 1914-18: Erster Weltkrieg
  • 1916/17: Glockenabnahme
  • 1921: Einrichtung einer Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch (bedingt durch die politische Teilung Tirols und die damit verbundene Teilung der Diözese Brixen)
  • 1923: Glockenweihe (vier neue Glocken)
  • 1928 Bau der Aufbahrungskapelle im Friedhof
  • 1939-41: Kirchenrenovierung mit Entfernung der desolaten Fresken des Ehrwalder Kirchenmalers Josef Spielmann und Neuschaffung der Fresken durch Kunstmaler Carl Rieder aus Schwaz; Neuschaffung von vier Glasfenstern der Tiroler Kunstglaserei nach Entwürfen von Carl Rieder
  • 1939-45: Zweiter Weltkrieg
  • 1943: neuerliche Glockenabnahme
  • 1948: Turmrenovierung und Glockenweihe (vier neue Glocken: Heimkehrer-, Gefallenen-, Vermissten und Sterbeglocke von Graßmayr, Innsbruck)
  • 1955: letztmalige Aufstellung des großen barocken Heiligen Grabes (bis 1984)
  • 1959-67: große Kirchenrenovierung mit Neubau der Sakristei, Neugestaltung der Deckenfresken und des Sakristeifreskos durch Kunstmaler Roman Fasser, Versuch der Umgestaltung des Kircheninneren in einen modernen, dem Zeitgeist entsprechenden Gottesdienstraum (Entfernung der Glasfenster, Entfernung der Doppelempore und Neubau einer einfachen, Modernisierung der Einrichtung, Verkauf wertvoller Kunstgegenstände der Kirche)
  • 1963: Errichtung eines frei stehenden Hauptaltares ("Volksaltar"), Konsekrierung durch Bischof Paulus Rusch 1965
  • 1964: Errichtung der DIÖZESE INNSBRUCK (bis 1968 mit Feldkirch)
  • 1967: Weihe der von Reinisch-Pirchner umgebauten Weber-Orgel
  • Schenkung des wertvollen Abendmahlsbildes des flämischen Renaissance-Künstlers Otto van Veen (1556-1629) an die Pfarre
  • 1970er: Anfertigung der neuen Weihnachtskrippe mit fast lebensgroßen Figuren durch Holzschnitzer Walter Bader
  • ab 1984: abermals Kirchenrenovierung außen wie innen mit dem Ziel, den ursprünglichen Charakter der Kirche so weit als möglich wiederherzustellen
  • seit 1984: Wiederaufstellung des barocken Heiligen Grabes in der Karwoche
  • 1985: Neuerrichtung des Hauptaltares im spätbarocken Stil (Wolfgang Schennach, Walter Bader, Alois Posch)
  • 1998: Errichtung eines neuen Baptisteriums mit Taufbecken aus Veroneser Marmor und Altarblatt "Die Taufe Jesu" von Wolfgang Schennach
  • 2003: Neuerrichtung eines Ambos (Wolfgang und Inge Schennach, Walter Bader und Sabine Gundolf) mit dem Evangelienmotiv des Weinstocks
  • 2010: Rückkehr des Schutzengel-Glasfensters (Carl Rieder, Tiroler Kunstglaserei)
  • 2011: Weihe der renovierten, umgebauten und erweiterten Orgel von Pirchner (Steinach am Brenner)

 

DIE PFARRKIRCHE: 

1640-48: Bau der ersten Kirche 

15. Aug. 1648: Weihe der Kirche "Zu Unserer Lieben Frau Maria Heimsuchung", des Friedhofes und des Turmes mit zwei Glöckchen durch den Brixner Weihbischof Jesse Perkhofer

1688 wurde für Ehrwald eine Kuratie gestiftet. Seit dieser Zeit ist ein eigener Seelsorger in Ehrwald ansässig.

Im Jahre 1729 wurde noch unter dem ersten Kuraten Georg Sailer die Kirche von Grund auf erneuert und dieser Neubau am 11. Sep. 1734 vom Brixner Fürstbischof Graf von Sarnthein eingeweiht.

1739 bekam die Kirche ihre erste Orgel, gespendet vom Ehrwalder Mathias Guem.

1769 wurde der Spitzturm von Zimmermeister Christian Samwöber (Somweber) durch eine Zwiebelhaube ersetzt.

1784 wurde die Kirche noch einmal erweitert und eine Doppelempore errichtet.

Der Hochaltar stammt von Ignaz Falbesoner aus Nassereith, die Seitenaltäre stammen von Johann Spielmann aus Ehrwald. Das Hochaltarbild stammt noch vom alten Hochaltar der ersten Kirche und wurde seither mehrmals restauriert. Die Seitenaltarbilder zeigten damals die links die Altarpatronin Maria Magdalena, gemalt vom gebürtigen Ehrwalder Josef Anton Hochenegg, und rechts den Altarpatron Erzengel Michael, gemalt vom Tiroler Künstler Joseph Arnold. Die Aufsatzbilder zeigen links die Verkündigung Marias und rechts die heiligste Dreifaltigkeit, ebenfalls Werke von Maler Hochenegg. Auf der Mensa des rechten Seitenaltares wird ein Herz-Jesu-Bild von Kaspar Jele gezeigt, links Maria von der immerwährenden Hilfe. Die Decke malte im 19. Jahrhundert der Ehrwalder Kirchenmaler Josef Spielmann im Nazarenzer-Stil, dessen Grab sich rechts neben dem Kircheneingang befindet, aus. Die Gemälde zeigten im Presbyterium die Darstellung des Herrn im Tempel und im Langhaus die Aufnahme Mariens in den Tempel sowie eine weitere Szene aus dem Leben Mariens (konnte nicht mehr rekonstruiert werden). Die Bilder sind Gemälden des Brixner Malers Georg Mader nachempfunden, die dieser in der Pfarrkirche Bruneck ausgeführt hat und bis heute dort zu sehen sind. In den Prozessionskästen befanden sich die Standbilder der vier Bündnisse. Die heiligen Joachim und Anna (für die Eheleute) fertigte Ignaz Falbesoner aus Nassereith, die Statue der Immaculata Seraphin Eberhart, der Schutzengel ist ein Werk aus älterer Zeit und ist die schönste der Figuren. Gegenüber der Kanzel ist als Gegenkanzel ein großes Kruzifix mit der Darstellung der Mater dolorosa (Mutter der Schmerzen) angebracht. Die beiden Glasfenster im Altarraum aus der Tiroler Glasmalerei-Anstalt zeigten bis 1939 die Verkündigung des Herrn (rechts) und die Geburt Christi (links).

1868 erhielt die Kirche auf der zweiten Empore eine Brüstungsorgel des Orgelbauers Franz Weber aus Oberperfuss mit einem Manual und vierzehn Registern.

1874 erhielt der Kirchturm das erste große und zusammenklingende Geläute der Glockengießerei Graßmayr, welches die bis dato nach und nach angeschafften kleineren Glocken ersetzte. Stifter war der Ehrwalder Josef Anton Schennach.

1891 wurde Ehrwald selbstständige Pfarre. 

1916/17  musste das Glockengeläute für die Waffenproduktion im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden. Nur das kleine Sterbeglöcklein blieb erhalten.

1923 wurden vier neue Glocken der Glockengießerei Adler aus Reutte angeschafft und geweiht.

1928 war die neue Friedhofskapelle fertig. In ihren Turm wurde die alte Sterbeglocke gehängt.

In den 1920er-Jahren wurde die Weihnachtskrippe, eine Bretterkrippe von Malermeister Pernlocher aus Thaur und Tischlermeister Schretter aus Ehrwald, aufgestellt, der Hochaltar und das Heilige Grab erhielten eine neue elektrische Beleuchtung, die Orgel wurde gestimmt, drei Register erneuert und die im Krieg abgelieferten Prospektpfeifen wurden durch neue ersetzt. Einiges wurde in der Kirche neu angeschaffen oder renoviert (liturgische Geräte, Paramente etc.).

Von 1939 bis 1941 wurde die Kirche renoviert. Die alten Deckenbilder von Josef Spielmann waren angeblich nicht mehr zu retten. Nun wurde die Decke erneuert und Carl Rieder aus Schwaz malte die neuen Gemälde: die Geburt Jesu im Presbyterium und Maria Friedenskönigin mit Jesus-Kind als Beschützerin des Dorfes und seiner Bewohner im Langhaus.Auch erhielt die Kirche vier neue Glasfenster: im Altarraum links die heilige Notburga, rechts den heiligen Wendelin (im Ausstauch gegen die alten Glasfenster), in der Langhausmitte links den Schutzengel und rechts den heiligen Josef, alle nach Entwürfen von Carl Rieder und ausgeführt von derTiroler Glasmalerei-Anstalt. (Die beiden Gemälde sind heute nicht mehr erhalten. Das Schutzengel-Glasfenster befindet sich heute an der Westfassade der Kirche, das Notburga-Fenster in einem Privathaus in Ehrwald.)

Die alten Seitenaltarbilder (heute auf der Empore) wurden gegen die Heilige Familie und die Familie Mariens (Joachim und Anna) ausgetauscht.

1943 mussten die Glocken abermals für Kriegszwecke abgeliefert werden. Als Ersatz diente die alte Sterbeglocke aus der Friedhofskapelle.

1948 wurden vier neue Glocken der Glockengießerei Graßmayr, Innsbruck, geweiht. Sie sind in f - as - b - des gestimmt (Te-Deum-Geläute) und tragen die Namen Heimkehrerglocke, Gefallenenglocke, Vermisstenglocke und Sterbeglocke. Die große Glocke wiegt 940 kg. Zuvor waren noch das Dach und die Zwiebelhaube neu eingedeckt worden.

Von 1960 bis 1967 wurde die Kirche dem modernen Zeitgeist und den Einflüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend renoviert. Dabei ging jedoch einiges von der ursprünglichen Wärme und der alten architektonischen Struktur verloren. Da ein völliges Ausräumen der Kirche verhindert wurde, blieb eine gewöhnungsbedürftige Mischung zwischen Alt und Neu bestehen.
Die alten Sakristeibauten wurden vollständig abgerissen und eine geräumige neue Sakristei mit drei Stockwerken gebaut.
Schon 1963 wurde ein marmorner Hauptaltar (damals «Volksaltar» genannt) aufgestellt und 1965 von Bischof DDr. Paulus Rusch konsekriert.
Die Decke im Kirchenschiff musste abermals renoviert werden. Sie ziert seitdem das riesige Einheitsfresko des heimischen Künstlers Roman Fasser aus dem Jahr 1963 mit folgenden Darstellungen:Christus in der Mandorla, die freudenreichen Rosenkranzgeheimnisse, das Pfingstwunder und die Aufnahme Mariens in den Himmel. Vom selben Künstler stammt das Deckengemälde im Presbyterium "Christus am Ölberg" und das Sakristei-Außenfresko "Christkönig". Alle Gemälde sind beeindruckende und von der Fachwelt anerkannte Werke, wenngleich sie in einer Kirche mit spätbarocker Ausrichtung im ersten Moment gewöhnungsbedürftig erscheinen. 

Die bunten Glasfenster von 1941 wurden auf Empfehlung des Denkmalamtes entfernt, damit der Kirchenraum durch weißes Glas besser erhellt werden konnte. Auch viele Gemälde, Figuren und Gegenstände des Kircheninventars wurden in dieser Zeit des "Bildersturmes der 1960er-Jahre" aus der Kirche entfernt und verkauft oder hergeschenkt. Einige Kunstschätze, die in früherer Zeit von der Bevölkerung unter großen Opfern gespendet wurde, gingen dadurch für immer verloren, so etwa alle Prozessionsfiguren. Nur die Kulissen des barocken Heiligen Grabes waren 1955, nach der letztmaligen Aufstellung, auf dem Dachboden der Aufbahrungskapelle im Friedhof "eingemottet" worden und überdauerten so glücklicherweise die Zeit des Ausräumens. 1984 konnte das schöne Heilige Grab mit seinen über 90 bunten Glaskugeln nach seiner zufälligen Entdeckung seine Wiederauferstehung feiern.

Im Zuge dieser Kirchenrenovierung wurde 1966 aus Teilen der alten Franz-Weber-Brüstungsorgel eine neue Orgel von der Orgelbaufirma Reinisch-Pirchner aus Steinach am Brenner mit einem der damaligen Zeit entsprechenden modernen Gehäuse (Entwurf von Landeskonservator Dr. Menardi) gestaltet, welche 14 Register verteilt auf ein Manual und Pedal besaß. Sie fand auf der erneuerten und nunmehr einfachen Empore Platz.

Ab 1985 versuchte man durch eine neuerliche Renovierung und diverse Arbeiten in den Folgejahren bis heute, wieder den ursprünglichen Charakter der Kirche, so weit es möglich war, herzustellen.

UNSERE KIRCHE HEUTE: 

Noch aus alten Zeiten stammen also die Altäre (der Hochaltar mit Altarblatt und Tabernakel sowie die Seitenaltäre) und die Kanzel mit einer Darstellung des Gleichnisses vom Sämann. Die Kirche besitzt Zeiller-Kreuzwegstationen, aber auch einen modernen Kreuzweg des in Ehrwald ansässigen Künstlers Henri Dante Alberti aus den 1960er-Jahren, der unter der Empore zu sehen ist.

Der neue Hauptaltar (auch "Volksaltar" genannt) wurde 1985 nach Entwürfen der heimischen Künstler Wolfgang Schennach und Walter Bader unter der Mitwirkung von Tischlermeister Alois Posch gestaltet, ebenso 2003 der neue Ambo nach dem biblischen Motto "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben".
 der Seitenaltäre zeigen die Verkündigung des Herrn (alter Bestand) und die Heiligste Dreifaltigkeit (von Wolfgang Schennach nach einer alten Fotografie rekonstruiert). 

Die neue Orgel aus 2010-11 stammt aus der Orgelbauwerkstätte Pirchner. Sie besitzt 21 Register verteilt auf Hauptwerk, schwellbares Unterwerk und Pedal. Fast alle Pfeifen des bisherigen Instrumentes sowie der Gehäuseoberbau wurden wiederverwendet, Spieltisch, Mechanik und Gebläse entstanden neu, ebenso einige Register. Des Weiteren erhielt die Orgel einen optischen Aufputz, sodass sie sich nun wunderbar in unsere Kirche mit ihren verschiedenen Stilrichtiungen einfügt. Mit diesem gelungenen Orgelumbau erfüllt das Instrument alle Zwecke zur Gestaltung der heiligen Liturgie, das ist ja schließlich ihre allererste Aufgabe, ist aber auch eine wunderbare kleine Konzertorgel geworden.

Die vier bemalten Glasfenster wurden bei der Renovierung in den 1960er-Jahren aus der Kirche entfernt. Jenes, das die Heilige Notburga von Eben am Achensee (Sichelwunder) darstellt, befindet sich heute in einem Privathaus in Ehrwald. Das Schutzengel-Glasfenster wurde von der Spenderfamilie in einer Garage aufbewahrt und 2010 der Kirche zurückgegeben. Im Rahmen der Orgelrenovierung und der Umbauarbeiten auf der Empore wurde es in das westseitige, von innen verdeckte Fenster eingebaut und ist abends mit entsprechender Beleuchtung von außen an der Westfassade zu bestaunen.
Auch die Prozessionsfiguren befinden sich seit dieser Zeit in Privatbesitz. Davon "wanderte" die kostbarste, nämlich der Schutzengel, nach Holland aus.
Wieder zurückerworben wurden die Aposteltafeln vorne im Presbyterium (Evangelisten Matthäus und Johannes, Apostel Petrus, Johannes der Täufer), die Verkündigungsgruppe, ein Abendmahlsrelief, die Ewig-Licht-Ampel, einige Putten und Silberleuchter. 

 

DIE ORGEL von 2010-11 

Disposition: 

Hauptwerk (C bis f''', 54 Töne) 

1. Prinzipal 8'
2. Gedeckt 8'
3. Gemshorn 8'
4. Oktav 4'
5. Holzflöte 4'
6. Quint 2 2/3'
7. Superoktav 2'
8. Mixtur III 1 1/3'
9. Trompete 8' (B/D bei c'/cis') 

Schwellbares Unterwerk (C bis f''', 54 Töne) 

10. Coppel 8'
11. Salizional 8'
12. Prinzipal 4'
13. Rohrflöte 4'
14. Nasard 2 2/3'
15. Doublette 2'
16. Terzian II 1 3/5'
17. Krummhorn 8'
Tremulant 

Pedal (C bis d', 27 Töne) 

18. Subbass 16'
19. Oktavbass 8'
20. Choralbass 4'
21. Posaune 8' 

Tritt-Koppeln 

Hauptwerk - Pedal
Unterwerk - Pedal
Unterwerk - Hauptwerk 

Rein mechanische Spiel- und Registertraktur, 2010,
frei stehender Spieltisch vor der Orgel, 2010, 

Manualwindladen (HW, UW) von 2010, Pedalwindlade von 1966

Verwendung von Pfeifen der Franz-Weber-Brüstungsorgel, 1868,
und der aus dieser hervorgegangenen um- und neu gebauten Orgel von Johann Pirchner, 1966 

Gehäuseentwurf von Ing. Josef Menardi, 1966
Entwurf für die Um- und Neugestaltung von Martin Pirchner, 2010
Farbliche Neugestaltung durch Franz Niederhauser, Thaur, 2011 

 

DAS SCHUTZENGEL-GLASFENSTER 

Indirekt mit der Orgelrenovierung von 2010-11 hat der Einbau des Schutzengel-Glasfensters in der Westfront (hinter der Orgel) zu tun. Dieses Fenster gehörte zu den alten vier bunten Glasfenstern der Pfarrkirche Ehrwald, entworfen vom Schwazer Kunstmaler Carl Rieder und ausgeführt von der Tiroler Kunstglaserei. Von zirka 1940 bis zur Kirchenrenovierung der 1960er-Jahre war es in der Pfarrkirche zu sehen. Dieses Fenster wurde von der Familie Erhard Leitner (Eltern von Peter Leitner) auf den frühen Tod des erstgeborenen Sohnes hin gespendet und zeigt den Schutzengel, der einen Buben vor der Schlange (= Sinnbild des Bösen) schützt. In den 1960er-Jahren wurden diese Glasfenster (hl. Notburga, hl. Josef, hl. Wendelin oder Florian) auf Empfehlung des Denkmalamtes zugunsten von hellen Fenstern aus der Kirche entfernt und den Spenderfamilien zurückgegeben. Thomas Schennach erwarb das Fenster der hl. Notburga und ließ es in seinem Privathaus einbauen. Seine Idee war es auch, das Leitner-Fenster, welches Peter Leitner sorgfältig in seiner Garage aufbewahrt hatte, wieder in die Pfarrkirche rückzuführen. Dazu bot sich das zwar von innen verdeckte, aber von außen sichtbare Westfront-Fenster an. In den Abendstunden wird die Schutzengel-Darstellung beleuchtet und dadurch zu einer optischen Bereicherung des Kirchenensembles. Da außer dem Glasfenster auch die wertvolle Schutzengel-Prozessionsfigur in den 1960er-Jahren der Pfarre schon abhanden gekommen war, war die Kirche bis jetzt „schutzengellos“. In Psalm 91 heißt es: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“

 

DIE GLOCKEN 

Glocken sind Musikinstrumente. Die ersten Glocken wurden im 9. Jahrhundert v. Chr. in Vorderasien aus Bronze gegossenen Glocken. Seit dem 6. Jahrhundert wird die Glocke in Europa im sakralen Bereich eingesetzt, noch bis ins 19. Jahrhundert wurden sie im weltlichen Bereich als Wetterglocke, Feuerglocke, Gerichtsglocke und Ratsglocke gebraucht, als Zeit-(Uhr-)Glocke bis heute.
der Glocke entwickelte sich im Mittelalter aus der Bienenkorb- und der Zuckerhutform. Die Technik des Glockengießens wurde anfangs von Mönchen ausgeübt. Früher wurden die Glocke mittels Seil von Hand geläutet. Heute geht das Glockenläuten mittels Motoren viel leichter. Elektronische Steueruhren lassen die Glocken auch zu den entsprechenden Zeiten läuten. 

Die Glocken, welche vom Ehrwalder Kirchturm klingen, stammen aus dem Jahre 1948 aus der Innsbrucker Glockengießerei Graßmayr und sind in f - as - b - des gestimmt und tragen die Namen Heimkehrer-, Gefallenen-, Vermissten- und Sterbeglocke (siehe Glockenbeschreibung weiter unten).

UNSERE GLOCKEN 

  • rufen die Gläubigen zur Messe, zu den freudigen und traurigen Anlässen der Pfarrgemeinde.
  • läuten zum Gebet um 7 Uhr in der Früh, um 12 Uhr mittags und um 19.30 Uhr am Abend (Glocke 1 an Sonn- und Feiertagen, Glocke 2 an Werktagen).
  • läuten zum Gebet für die Verstorbenen jeden Abend nach dem Betläuten (Glocke 3).
  • läuten zur Todesangst Jesu am Donnerstagabend
    und zur Todesstunde Jesu am Freitag um 15 Uhr (jeweils Glocke 1).
  • läuten den Feierabend vor Sonn- und Feiertagen ein (z. B. Samstag, 17.00 Uhr, alle Glocken).
  • künden vom Ableben eines Pfarrangehörigen (Glocke 4 = Sterbeglocke).
  • schlagen als Uhrschlag zur vollen (Glocke 1) und zur Viertel-Stunde (Glocke 2).

Wann welche Glocke einzeln oder gemeinsam mit anderen geläutet wird, ist in einer Läutordnung geregelt, ebenso die Läutdauer. Die Steuerung des Geläutes erfolgt durch einen Uhrencomputer von der Sakristei aus. Um die Nachtruhe zu gewähren, pausieren die Glocken von 22.00 Uhr bis 7.00 Uhr (Uhrschlag).

Manche Menschen empfinden Glockenklang leider heutzutage als Lärm. Doch das Schweigen der Glocken hat nie etwas Gutes bedeutet: Es waren die schrecklichen Kriegs- und Nachkriegsjahre, in denen die Glocken geschwiegen haben, weil ihr Metall für die Waffenproduktion missbraucht wurde, so wie auch die Menschen in jener Zeit für sinnlose Machtspiele missbraucht wurden. Ein sinniger Glockenspruch, der auf manchen Glocken nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebracht wurde, lautet: „Wer mich berührt, den Krieg verliert, schon zweimal ausprobiert.“

Die Ehrwalder Glocken können nunmehr seit über sechs Jahrzehnten des Friedens zum Gebet, zum Gottesdienst und zur Besinnung von den Türmen der Kirche und der Kapellen rufen. Mögen den Ehrwalder Glocken das Schicksal ihrer Vorgängerinnen erspart bleiben, möge sich das Dichterwort aus Goethes „Lied von der Glocke“ erfüllen: 

„Sie bewegt sich, schwebt,
Freude dieser Stadt bedeute,
Friede sei ihr erst Geläute.“ 

Bis 1874 

Die nachweisliche Geschichte der Ehrwalder Glocken geht bis ins Jahr 1642 zurück, in welchem die Chronik vom Guss einer ca. 150 kg schweren Glocke berichtet. Die Kirche wurde aber erst 1648 fertig gebaut. Am 15. August dieses Jahres konsekrierte der Weihbischof von Brixen (Ehrwald gehörte damals zur Diözese Brixen) die neu erbaute Kirche „Maria Heimsuchung“ mit zwei Altären, dem Friedhof und zwei Glocken (eine drüfte die oben genannte gewesen sein).

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte kamen noch weitere Glocken hinzu: 1677 eine ca. 600 kg schwere Glocke, geweiht vom Abt der ehemaligen Benediktinerabtei Seeon am Chiemsee, Adalbert II Gruber, zum 100-jährigen Jubliäum der seelsorlichen Selbstständigkeit 1788 eine Glocke mit ca. 350 kg Gewicht.

So bestand bis 1874 folgendes aus vier Glocken gewachsenes Geläute:

  • Die Marien-Glocke mit 600 kg und Inschrift „Inireatae Sapientiae Genetrici Sanctissimae virgini Mariae. Hanc devoto consecrat servorum infimus Adalbertus, Abbas Seon anno 1677.“ („Der Mutter der unerschöpflichen Weisheit, der heiligsten Jungfrau Maria gewidmet. In Demut weiht diese der niederste der Diener, Adalbertus, Abt von Seeon, im Jahre 1677.“)
  • Die Engel-Glocke mit 350 kg und Inschrift „Sanctus Michael et omnes sancti Angeli et Archangeli orate pro nobis! Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto. Laus Deo, honor Mairae, gloria sanctis Angelis, Elisabethis, Mariae Magdalenae tribus sanctis nostrae ecclesiae Patroniae 1788“ („Heiliger Michael und alle heiligen Engel und Erzengel, bittet für uns. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste. Gott zum Lobe, Maria zum Ruhm, den hl. Engeln, der hl. Elisabeth, der hl. Maria Magdalena, den dreiheiligen Patronen unserer Kirche zur Ehre. 1788“) [Anmerkung: Der Hochaltar der Kirche ist der Gottesmutter Maria geweiht, der linke Seitenaltar der hl. Maria Magdalena, der rechte dem hl. Erzengel Michael]
  • Eine Glocke mit 150 kg und Inschrift „Ich lob Gott mit meinem Klang - Zum Lob ruf ich das Volk zusam - Ich bitt, o Herr, bewahr die Gmain - Dein heilig Engl laß stets dasein - Erschlag durch Dein Kreuz und Nam - Den Satan und sein Anhang. 1642 goß mich Hans Diebolt Allgäuer in Ulm“
  • Eine vierte Glocke

DAS GELÄUTE VON 1874 

Als unter der Ehrwalder Bevölkerung der Wunsch nach einem großen zusammenklingenden Geläute aufkam, erklärte sich Josef Anton Schennach, ein lediger Bauer, wohnhaft im Haus Nr. 47 (alte Hausnummer, heute Innsbruckerstr. 15) bereit, dieses zu stiften. Laut Inschrift auf der Gedenkplatte an den großzügigen Gönner neben dem Südeingang der Pfarre waren es vier Glocken, laut Aufzeichnungen der Glockengießerei Graßmayr, damals noch im Ötztal, wurden dort am 5. Mai 1874 drei Glocken mit folgendem Gewicht gegossen:

  • "Joseph Anton" mit 1.218 kg,
  • "Jakob" mit 721 kg und
  • "Crescentia" mit 423 kg,

dazu eine in den Graßmayerischen Aufzeichnungen nicht, aber im Pfarrarchiv erwähnte Glocke mit Namen

  • "Griseldis" (ohne Gewichtsangabe),

wohl die kleine Sterbeglocke, die bis heute im Turm der Aufbahrungskapelle hängt. Es war also ein stattliches Geläute.

Es muss Pfarrer Lutz schwer getroffen haben, als im Jahr 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, die Glocken vom Turm herabgenommen werden mussten, um aus ihrem Metall Waffen herzustellen. 1916 musste zunächst eine Gewichtsvorgabe bei der Ablieferung erfüllt werden, sodass die große und die drittgrößte Glocke abgenommen werden mussten. Schwer fiel die Abliederung der großen Glocke mit ihrem besonders schönen Klang. Auch ein reger Schriftverkehr mit dem zuständigen Amt in Innsbruck änderete nichts am Schicksal der Ablieferung. 1917 musste dann auch die zweitgrößte Glocke noch abgenommen werden. Nur das kleine Sterbeglöcklein von 1874 verblieb alleine im Turm.

Gedicht zum Abschied der Glocken 1916: 

Wir beklagen heute, jung und alt,
Du sollst scheiden aus Ehrwald.
Die Schuld trifft uns wohl alle nicht,
Es heißt gehorchen nur der Pflicht.
Drum rufen wir in tiefem Schmerz,
Leb wohl, Du schönes blankes Erz.
Wir trauern alle, uns ist bang
Um Deinen wunderschönen Klang. 

GLOCKENWEIHE 1923
Trotz der Not der Nachkriegszeit, der turbulenten Zeit der Ersten Republik, wurde 1923 ein neues großes Geläute bestehend aus vier Glocken angeschafft. Da die Pfarrchronik in jenen Jahren nicht geführt wurde, gibt es nur die Vermutung, dass diese Glocken aus der Glockengießerei Hahn in Landshut stammen. 

Am 7. Oktober war der Tag der Glockenweihe durch den Abt von Ettal. Es wurde ein großes Fest, von dem ein Zeitungsbericht abschließend meint:
„Es wird wohl kaum eine zweite Gemeinde geben, welche soviel an mustergültiger Ordnung, geradezu künstlerischen Dekorationen und Aufmachungen bieten kann, wie dies die Ehrwalder bei diesem Fest gezeigt haben.“ 

Da das alte Sterbeglöcklein im Turm nicht mehr Platz hatte und auch klanglich nicht zum neuen Geläute passte, wurde es in den Glockenhelm der 1928 erbauten Aufbahrungskapelle im Friedhof gehängt.

Nicht lange währte die Freude über das Geläute von 1923. Schon 1943, nun mitten im Zweiten Weltkrieg, mussten sie wieder vom Turm - alle vier. Während der nächsten fünf Jahre wurde das alte Sterbeglöcklein wieder im Kirchturm aufgehängt und versah einen einsamen, traurigen Dienst.

DAS HEUTIGE GELÄUTE 

Bereits mit Kriegsende 1945 gab Pfarrer Andreas Raggl bei der Glockengießerei Graßmayr in Innsbruck ein Geläute mit vier Glocken und einem ungefähren Gewicht von 3.000 kg, was dem alten Geläute entsprach, in Auftrag.

Der 1946 neu eingesetzte Pfarrer Alois Haueis war nun um die Finanzierung bemüht. Auf Grund der großen Spendenfreudigkeit der Ehrwalder Bevölkerung und der Geschäftswelt - trotz der kargen Nachkriegszeit - konnten im Jahre 1948 die heutigen Glocken gegossen werden.

Am 13. Juni 1948 fand das Fest der Glockenweihe statt, das erste große Fest im Dorf nach dem Krieg. Konsekrator war der Provikar der Apostolischen Administratur Innsbruck, Draxl. In einem feierlichen Festzug wurden die Glocken vom Bahnhof abgeholt und durch das reichlich geschmückte Dorf begleitet. Um 15.30 Uhr fand am Kirchplatz die Weihe statt. Lehrer Hannes Klement gedachte in seiner Festrede der bedeutungsvollen Namen der vier neuen Glocken: Heimkehrer-, Gefallenen-, Vermissten- und Sterbeglocke. Anschließend wurden sie in den Kirchturm aufgezogen, im neuen Glockenstuhl montiert und zum ersten Mal geläutet.

Da für den Kirchturm nach entsprechender Prüfung ein Geläute in der Größenordnung des alten nicht mehr erlaubt wurde (ca. 3.000 kg Gesamtgesicht waren es früher), vermissten manche Ehrwalder nun den Ton einer „richtig“ großen Glocke. Dieser Umstand ließ auch den Wunsch nach einer fünften „großen“ Glocke aufkommen, der aber nie in die Tat umgesetzt wurde.

Dem neuen Geläute wurde im Prüfbericht ein einwandfreier, reiner Klang bescheinigt.
Das vierstimmige Geläute ist im so genannten Parsifal-Motiv gestimmt: 

1. HEIMKEHRERGLOCKE
Schlagton f, 940 kg
Inschriften:
„Die Glocken wurden angeschafft im Jahre 1948, als Andreas Bader Bürgermeister und Alois Haueis Pfarrer war.“
„Euch Heimkehrer mahne ich mit lautem Gebot:
Gott hat Euch gerettet aus Banden und Tod,
erfüllet nun, was ihr gelobt in der Not!“
„Dnjester-Brückenkopf 14. 5.1944“ 

Stifter:
Wilhelm Otto, Köck Albin, Somweber Anna, Leitner Walter, Schimek Othmar, Leitner Robert, Guem Josef, Hosp Resi, Wilhelm Alois, Somweber Rudolf, Somweber Eduard, Geschwister Bader, Somweber Martin 

2. GEFALLENENGLOCKE
Schlagton as, 529 kg 

Inschrift:
„Über die fernen Gräber ich tön,
Gott lass die Gefallenen auferstehn
und uns zum ewigen Leben eingehn.“ 

Förderer:
Hosp Ferdinand, Somweber Adalbert, Zotz Anna, Jourez Hugo, Guem Josef, Wilhelm Aloisia, Bader Max, Bader August, Köck Erich, Dr. Ritzau Else, Schretter Eduard, Leitner Erhard, Guem Willi, Kalbitz Berta, Zugspitzbahn AG, Bader Anna, Stricker Ludwig, Spielmann Amalia 

3. VERMISSTENGLOCKE
Schlagton b, 376 kg 

Inschrift:
„Alle Vermißten im Land
Gott führe sie gnädig an seiner Hand
aus dem Elend heim ins himmlische Land.“
1948 

4. STERBEGLOCKE
Schlagton des, 217 kg 

Inschrift:
„St. Josef leg am Lebensende
unsere Seel in Gottes Hände“
1948