Guatemala: Landraub macht hungrig!

Im April und Mai 2017 tourte Elvis Morales Sican zusammen mit Kolleginnen durch Österreich und berichtete von der großen sozialen Ungleichheit und der fehlenden Ernährungssouveränität in Guatemala.

Die Organisation CCDA, ein Verein zur Vertretung von Kleinbäuer_innen im Hochland von Guatemala, berichtet aktuell von 1028 Fällen von Landraub. Obwohl das Klima mild und der Boden fruchtbar ist, hungern viele Kinder unter fünf Jahren, da der Zugang zu Land zur Eigenversorgung schwierig ist.

Am Beispiel der Gemeinde Santa Elena Samanzana II wird deutlich wie bedroht indigene Kleinbäuer_innen leben. Das Bundesland Alta Verapaz im Norden Guatemalas wird zu 90 % von den indigenen Völkern der Kekchí und Pocomchí bewohnt. Hier befindet sich die  Gemeinde Santa Elena Samanzana II, in der 52 Familien, also insgesamt 300 Menschen, auf einer Fläche von 360 ha leben und wirtschaften. Diese Familien leben hier schon seit 52 Jahren (seit 1965), der Wald und die drei Wasserquellen bedeuten ihre Lebensgrundlage. Auf den Landflächen bauen sie ihre eigenen Lebensmittel an, halten Geflügel und praktizieren ihre Bräuche, Traditionen und Spiritualität im Einklang mit der Natur.

Am letzten Sonntag im August 2013 tauchen plötzlich 30 mit Schrotflinten bewaffnete Männer auf, die die Menschen einschüchtern und ihnen sagen: „Verschwindet von hier und geht in die Berge, oder wir bringen euch um. Dieses Land hier gehört unserem Chef.“ Sie stellen Zäune auf und verbrennen den angebauten Mais, Bohnen und Kardamom und schlagen manche der Bewohner_innen auf brutale Weise. Aus Angst versteckt sich das ganze Dorf in der Kirche. In der Nacht hören sie Schüsse in die Luft, was Angstzustände in den Familien, besonders bei Frauen und Kindern auslöst.

Von diesem Moment an beginnt ein Konflikt, der Vertreibungen, Einschüchterungen, Haftbefehle, Lebensmittelkrisen und Umweltschäden mit sich bringt. All dies, weil ein angeblicher Besitzer 250 ha Land beansprucht, um dort Ölpalmen anzupflanzen und damit Handel zu betreiben – und das auch macht. Aus den Ölpalmen wird ein Fett gewonnen, das derzeit in sehr vielen Süßigkeiten, Knabbergebäck und Kosmetika enthalten und somit ein nachgefragter Rohstoff auf dem Weltmarkt ist.

Nach einem intensiven Einsatz der Gemeinschaften und einer Zeit voller Demonstrationen, organisatorischer Arbeit und Verhandlungen von CCDA mit staatlichen Einrichtungen wird vom Verfassungsgerichtshof entschieden, dass das Land den Kleinbauern und -bäuerinnen gehört. Diese kehren nun auf ihr Land zurück – wo es jedoch noch Probleme zu lösen gibt: Die in der Zwischenzeit gepflanzten Ölpalmen verhindern, dass die Indigenen ihre eigenen Lebensmittel anbauen können und machen den Boden unfruchtbar, durch die stattgefundenen Brandrodungen ist das ökologische Gleichgewicht zerstört. Auch die Einschüchterungen durch den angeblichen Landbesitzer dauern an. Dieses Beispiel zeigt auf, wie eng Ernährungssouveränität mit Rechtsstaatlichkeit und gerechter Landverteilung zusammenhängt.

Ölpalmenplantage